Die SPIEGEL-Geschichte 1947 – 2008
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| Die erste SPIEGEL-Ausgabe |
Der erste SPIEGEL erschien am 4. Januar 1947, einem Samstag, in Hannover als Nachfolger einer Zeitschrift namens „Diese Woche“. Die war nach dem Muster amerikanischer und britischer „News magazines“ von Angehörigen der britischen Militärregierung konzipiert worden, um den Deutschen endlich wieder „objektive Nachrichten“ zu vermitteln.
Eine Handvoll junger deutscher Redakteure, angeführt von Rudolf Augstein, nahm die Forderung nach kritischem Journalismus wörtlich und sparte auch die Alliierten nicht aus. Die Regierung in London, aber auch die drei anderen Besatzungsmächte protestierten heftig gegen diese Form der Aufklärung, und schon nach fünf Ausgaben entledigten sich die Briten des so schnell lästig gewordenen Blattes, indem sie „Diese Woche“ an die Deutschen abtraten.
Rudolf Augstein, dem sie die Verlegerlizenz erteilten, benannte das Magazin in DER SPIEGEL um und war seit der ersten Ausgabe im Januar 1947 Chefredakteur und Herausgeber.
Das Blatt kostete damals eine Reichsmark; auf dem Schwarzmarkt wurden bis zu 15 Mark für das stets ausverkaufte Magazin gezahlt. Denn die Papierzuteilung reichte gerade mal für 15 000 Exemplare aus. Bis 1952, als der SPIEGEL von Hannover nach Hamburg umzog, war die Auflage auf 121 202 verkaufte Exemplare gestiegen.
Weithin bekannt wurde der SPIEGEL schon im Jahre 1950 mit seinem Vorwurf, Bonn sei nur durch Bestechung von Abgeordneten zur vorläufigen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. Der Bundestag setzte daraufhin den sogenannten SPIEGEL-Ausschuss ein, der sich - vergebens - um Klärung bemühte.
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| SPIEGEL Nr. 45/62: Augstein bei seiner Verhaftung |
Die SPIEGEL-Affäre im Jahr 1962 war das wohl wichtigste Ereignis in der Geschichte des Blattes - in Wahrheit eine Affäre des jungen Staates Bundesrepublik Deutschland war: Unter dem Vorwand, der SPIEGEL habe mit seiner Titelgeschichte „Bedingt abwehrbereit“ über das Nato-Manöver „Fallex“ Landesverrat begangen – „systematisch, um Geld zu verdienen“, wie der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer im Bundestag erklärte –, besetzte die Polizei in einer Oktobernacht die Redaktions- und Verlagsräume. Der Herausgeber, der Verlagsdirektor und mehrere Redakteure wurden festgenommen und bis zu 103 Tage in Untersuchungshaft gehalten.
Eine Protestwelle schwappte über das Land, die Behauptungen der Staatsmacht erwiesen sich als haltlos. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, tief in die Affäre verstrickt, musste zurücktreten. Die Ära Adenauer neigte sich ihrem Ende zu.
Bis auf den heutigen Tag hat der SPIEGEL immer wieder Affären und Skandale publik gemacht – mit einschneidenden politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen. In der Parteispenden-Affäre etwa deckte der SPIEGEL auf, dass der Flick-Konzern hochrangigen deutschen Politikern illegal Spenden in Millionenhöhe hatte zukommen lassen; beim Skandal um die Neue Heimat enthüllte er, wie sich die Manager des gemeinnützigen Gewerkschaftsunternehmens jahrelang persönlich bereichert hatten; dass Manager der Co op Aktionärsvermögen verschieben und verwirtschaften konnten, wie es ihnen gerade passte, stand ebenfalls zuerst im SPIEGEL. Ohne den SPIEGEL wäre 1998 auch der Versuch der Regierung Kohl erfolgreich gewesen, durch den „Großen Lauschangriff“ die Pressefreiheit zu beschneiden. Im vergangenen Jahr deckten Redakteure den Bestechungsskandal im internationalen Handball auf und beschrieben, wie der Pius-Bruder Richard Williamson den Holocaust leugnete. Außerdem recherchierten SPIEGEL-Journalisten eine Fülle von exklusiven Geschichten im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Finanzkrise – etwa wie das Magna-Konzept zur Rettung Opels aussah oder dass auch Porsche Geld aus dem Deutschlandfonds wollte.
Über 50-mal wurden SPIEGEL-Mitarbeiter 2009 durch unterschiedliche Journalistenpreise geehrt – so häufig wie noch nie –, darunter Alexander Osang als „Reporter des Jahres“ („Medium Magazin“) für sein Merkel- Porträt „Die Schläferin“ (SPIEGEL 46/2009).
Am 7. November 2002 ist Rudolf Augstein, der „Journalist des Jahrhunderts“ („Medium Magazin“) und World Press Freedom Hero (International Press Institute), im Alter von 79 Jahren verstorben. „Deutschland ist ärmer ohne ihn“, so der damalige Bundespräsident Johannes Rau beim Staatsakt in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis.
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