DER SPIEGEL und der Bayerische Rundfunk veröffentlichen gemeinsames Datenprojekt zur Diskriminierung auf dem deutschen Wohnungsmarkt

Wer mit einem ausländischen Namen eine Wohnung sucht, hat es noch schwerer als Bewerber mit deutschen Namen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Daten-Teams des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks, die den Wohnungsmarkt in zehn deutschen Großstädten untersucht haben. Die Auswertung zeigt, dass vor allem Menschen mit türkischem oder arabischem Namen benachteiligt werden. In jedem vierten Fall, in dem ein Deutscher eine Einladung zu einer Besichtigung erhält, werden sie übergangen. Frauen bekommen deutlich mehr Rückmeldungen auf ihre Bewerbungen als Männer.

Im Rahmen eines Experiments wurden im Juni und September 2016 automatisiert Bewerbungen auf Wohnungsanzeigen in zehn deutschen Städten verschickt. Die Absender der 20.000 E-Mail-Anfragen unterschieden sich lediglich im Namen, die auf eine bestimmte Herkunft schließen lassen – auf einen deutschen, arabischen, türkischen, italienischen oder polnischen Hintergrund. In ihren sonstigen Eigenschaften waren die Personen identisch – zwischen 20 und 30 Jahre alt, Berufseinsteiger in einer Agentur, mit Anschreiben in perfektem Deutsch. Männer und Frauen waren gleich häufig vertreten. Als Diskriminierung gewertet wurden alle Fälle, in denen bei derselben Wohnung der deutsche Bewerber zu einer Besichtigung eingeladen wurde, Interessenten mit ausländisch klingenden Namen dagegen nicht.

Auf die Anfragen erhielten die Daten-Teams rund 8000 Antworten, die händisch kategorisiert wurden. Das Ergebnis ist ein Datensatz, der signifikante Unterschiede bei den Chancen der Wohnungssuchenden zwischen den Nationalitäten, Geschlechtern und den untersuchten Städten herausarbeiten lässt.

Die Ergebnisse der gemeinsamen Untersuchung werden morgen, am 22. Juni, auf SPIEGEL ONLINE und im SPIEGEL, der in dieser Woche ebenfalls am Donnerstag erscheint, veröffentlicht.

Weitere Informationen ab Donnerstag auf https://www.hanna-und-ismail.de.

Ansprechpartner für Rückfragen:

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E-Mail: robert.schoeffel@br.de

DER SPIEGEL: Christina Elmer
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Hamburg, 21. Juni 2017


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