manager magazin 6/2017: Jochen Schweizer verhandelt über Verkauf seiner Eventfirma

ProSiebenSat.1 an Gutscheinunternehmen interessiert / Übernahmeberatung GCA Altium mandatiert

Die größte deutsche Sendergruppe, ProSiebenSat.1, führt Gespräche über eine Übernahme des größten deutschen Anbieters von Erlebnisgutscheinen Jochen Schweizer. Dies berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die ab 26. Mai im Handel ist, unter Berufung auf Unternehmens- und Finanzkreise. Eine ProSiebenSat.1-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.
 
ProSiebenSat.1 hatte 2013 den zweitgrößten Erlebnisanbieter Mydays gekauft und könnte mit der Akquisition den Markt für Erlebnisgutscheine konsolidieren. Der Grünwalder Unternehmer Jochen Schweizer, bekannt auch aus der TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, habe vor einigen Wochen einen Verkaufsprozess gestartet, schreibt das manager magazin weiter. Mandatiert sei die internationale Übernahmeberatung GCA Altium. Neben dem Senderkonzern seien auch Finanzinvestoren an Jochen Schweizer interessiert.
 
Ob der Verkauf zustande kommt, ist noch unklar. Die Kerngesellschaft der Gruppe namens Jochen Schweizer GmbH verfügt wie andere Gutscheinfirmen über eine sehr ungewöhnliche Bilanzstruktur. Sie wies per Ende 2015 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 69 Millionen Euro aus; dieser Posten machte 60 Prozent der Bilanzsumme aus. Dennoch liege „keine Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne vor, da enorme stille Reserven aus voraussichtlich nie zur Einlösung kommenden Gutscheinen und noch nicht realisierten Vermittlungsprovisionen aus künftigen Einlösungen in den erhaltenen Anzahlungen enthalten sind“, schreibt Schweizer im Jahresabschluss 2015, der im Bundesanzeiger veröffentlicht ist.
 
Einnahmen aus Gutscheinverkäufen werden gemäß deutschem Handelsgesetzbuch (HGB) zunächst in erhaltene Anzahlungen gebucht. Erst wenn die Gutscheine eingelöst werden oder verfallen, werden sie zu Umsätzen. Per Ende 2015 hatte die GmbH Gutscheinverpflichtungen über 107 Millionen Euro, aber nur 9,5 Millionen Euro in der Kasse. Jochen Schweizer betont, gemäß internationalem Bilanzstandard IFRS erziele die Jochen Schweizer GmbH seit Jahren positive Ergebnisse vor Zinsen und Steuern. 
 
Der Verkaufsprozess umfasst nur die Sparte „Digitalgeschäft“, also die Gutscheintochter Jochen Schweizer GmbH und ihre Beteiligungen. Die Erlebnisanlagen rund um die kürzlich eröffnete „Jochen Schweizer Arena“ in Taufkirchen bei München will der Unternehmer dagegen behalten.


Autorin: Angela Maier
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Hamburg, 25. Mai 2017

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