manager magazin 4/2017: Verkauf der Karstadt-Warenhäuser beschäftigt die Justiz

Gläubiger pochen auf Kompensation für Zinsverzicht / Crédit Agricole und andere Institute verklagen Highstreet Holding in Frankfurt

Der Verkauf der Karstadt-Warenhäuser an das von Goldman Sachs beherrschte Highstreet-Konsortium sorgt für neuen Ärger: Prominente Gläubiger verlangen finanzielle Kompensation dafür, dass sie 2009 per Zinsverzicht den in Arcandor umbenannten Karstadt-Konzern vor der Insolvenz gerettet haben. Ab Sommer streiten die Parteien vor dem Frankfurter Landgericht um gut 130 Millionen Euro, berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstermin: 24. März).

Unter den Klägern sind Banken-Dickschiffe wie Crédit Agricole und weitere Institute; hinzu kommen Hedgefonds, die die Kredite teils billig aufgekauft hatten. Die Highstreet Holding gehört zu 51 Prozent den von Goldman kontrollierten Whitehall-Fonds. Ebenfalls beteiligt sind die Deutsche-Bank-Tochter Rreef und italienische Investoren.

2006 hatte Karstadt 170 Immobilien an Highstreet verkauft, um sich zu sanieren. Highstreet finanzierte den Kaufpreis von 4,5 Milliarden Euro vor allem mit Krediten anderer Banken und Fonds; per Weiterverkauf der Warenhäuser wollte die Holding die Gläubiger später wieder ausbezahlen.

2009 stand Karstadt vor der Pleite. Die konnte verhindert werden: Mieten wurden reduziert; ein Teil jener Gläubiger, die hochverzinste Mezzanine-Kredite gegeben hatten, verzichteten auf Zinsen. Sie behaupten nun, dass seinerzeit vereinbart worden sei, die Immobilien bis spätestens Mitte 2017 zu verkaufen, um mit dem Erlös den Zinsverzicht zu kompensieren.

Bis Januar 2015 versilberte Highstreet tatsächlich fleißig Karstadt-Häuser und zahlte die Kredite zurück, nicht aber die Kompensation für den Zinsverzicht. Die Mezzanine-Gläubiger fürchten, Highstreet werde die Restimmobilien nach Fristablauf verkaufen, den Erlös einstreichen und sich die Kompensation sparen. Highstreet bestreitet hingegen, dass eine Pflicht zur Kompensation vereinbart wurde sowie eine Frist, bis zu der alle Immobilien verkauft sein sollen.

Die beteiligten Parteien wollten die Informationen nicht kommentieren.


Autor: Tim Bartz
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Hamburg, 24. März 2017

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