manager magazin 7/2018: Kriminelle Bande um früheren Springer-Manager hat den Verlag mit Scheinrechnungen um Millionen betrogen

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ex-Logistikchefs Günther und Böhrs / In zehn Jahren mehr als zehn Millionen Euro abgezweigt / Vorwurf der Mitwisserschaft gegen Ex-Vorstand und -Aufsichtsrat Rudolf Knepper

Eine kriminelle Bande um Ex-Logistikchef Markus Günther (55) hat die Axel Springer SE um über zehn Millionen Euro betrogen. Das berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstermin: Freitag, 22. Juni). Demnach ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin seit über vier Jahren gegen Günther (Aktenzeichen 242 Js 139/14), seinen Vorgänger Karsten Böhrs (54) sowie mehrere Dienstleister, die vor allem aus der Logistikbranche stammen. Anklage wurde noch nicht erhoben.

Die Dienstleister sollen in Absprache mit Springer-Führungskräften über zehn Jahre lang Scheinrechnungen für Leistungen erstellt haben, die sie nicht erbracht hatten. Das eingenommene Geld überwiesen die Dienstleister dann zum Teil an Günther oder auch an seine damalige Ehefrau. Günther räumte das Betrugssystem auf Anfrage des Magazins ein. Seine Angaben decken sich im Wesentlichen mit einem Ermittlungsbericht des Landeskriminalamts Berlin vom 20. Oktober 2017.

Auch der langjährige Springer-Vorstand und spätere Aufsichtsrat Rudolf Knepper (73) soll indirekt von dem System profitiert haben: Laut Ex-Mitarbeitern und Dienstleistern transportierten Spediteure für ihn etwa einen Porsche oder eine Miniaturautosammlung. Knepper, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender war, gibt an, im Nachhinein für diese Leistungen doch noch bezahlt zu haben.

Günther erhebt in manager magazin schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Vorgesetzten: „Knepper hat gewusst, dass 2005 im Logistikbereich ein System von schwarzen Kassen eingerichtet wurde“, sagte Günther dem Magazin. Der ehemalige Logistikchef behauptet, Vorgesetzte hätten ihm geraten, „Dienstleistungen für den Konzern über Scheinrechnungen zu buchen“.

Knepper weist die Vorwürfe zurück. Springer lässt ausrichten, es handele sich um „atemberaubende Schutzbehauptungen“ der Täter.

Einer der Springer-Dienstleister soll etwa Karten für die Fußballweltmeisterschaft 2006 beschafft haben. Die Tickets erhielten neben Knepper auch andere Springer-Mitarbeiter und -Kunden.

Autoren: Philipp Alvares de Souza Soares, Ursula Schwarzer
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Hamburg, 21. Juni 2018

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