SPIEGEL GESCHICHTE „Revolutionen, Kriege, Entdeckerfahrten: Wie Essen die Welt prägte“

Was hat Essen mit dem Verlauf der Weltgeschichte zu tun? Mehr, als man zunächst denkt! Ausreichende Ernährung ist die Grundlage jeder gesellschaftlichen Entwicklung – seit Anbeginn der Menschheit. Der Dichter Bertolt Brecht hat es auf eine derbe, aber eingängige Formel gebracht: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE, die am 29. Januar erscheint, berichtet über Momente zwischen Steinzeit und Gegenwart, in denen das Essen die Weltläufte in eine neue Richtung lenkte, und erklärt, warum Geschichte nicht ohne einen Blick auf die Teller und in die Töpfe geschrieben werden kann.

Schon die frühen Hochkulturen entstanden nur dank ihrer grundlegend „neuen Lösungen für das Ernährungsproblem“, erläutert der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder in einem Interview. Auch lange vorher trieb die Ernährung die Kulturbildung bereits maßgeblich voran: Die Menschen wurden überhaupt erst sesshaft, weil sie mit Ackerbau und Viehzucht die Verfügbarkeit von Nahrung völlig neu organisiert hatten. Archäologen vermuten, dass Feste dabei eine wichtige Rolle spielten.

Hungrige Menschen neigen zur Rebellion – übersatte hingegen sind oft politisch träge. Dieser Zusammenhang zeigte sich im Laufe der Geschichte immer wieder. Im alten Rom versuchten Mächtige, sich die Gunst der Bürger durch kostenloses Getreide zu erkaufen. Die Französische Revolution hingegen wurde nicht zuletzt ausgelöst durch den immer weiter steigenden Brotpreis – und die Blindheit der luxuriös tafelnden Monarchen gegenüber der kulinarischen Ungerechtigkeit im Lande.

Nimmt man die Bedeutung von Hungern und Essen für die Menschheitsgeschichte ernst, so entdeckt man ganz neue Ursachen und Zusammenhänge: Im Hochmittelalter etwa wuchsen die Städte geradezu explosionsartig an. Immer mehr Menschen lebten dort nun als Handwerker und Händler, nicht mehr als Bauern. Das aber hing auch damit zusammen, dass die Versorgung mit Lebensmitteln nun anders organisiert war. Portugals Aufstieg zur Weltmacht im 16. Jahrhundert erklärt sich mit Europas Gier nach Gewürzen: In einer strategisch vorbereiteten Aktion entdeckte Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, verschaffte seinem Land damit Zugang zum Gewürzhandel und machte es reich.

Und nicht zuletzt spielte Nahrung für viele Kriege eine wichtige Rolle. Im 15. Jahrhundert beispielsweise versuchte ein Zürcher Bürgermeister seine Macht zu steigern, indem er das Umland aushungerte – ein Fehler, denn der folgende Krieg warf seine Stadt wirtschaftlich weit zurück. Und im 20. Jahrhundert brachten die Nationalsozialisten die Politik an den Küchentisch: Vollkornbrot, Quark und Eintopf sollten Hitlers Feldzüge erfolgreich machen.

Historische Rezepte aus allen Epochen von der Steinzeit bis heute machen die Geschichte auch kulinarisch erlebbar. Vier davon kocht Fernsehkoch Christian Rach exklusiv für SPIEGEL GESCHICHTE nach. Die Videos hierzu sind ab Dienstag, 29. Januar 2019, bei SPIEGEL ONLINE unter dem Motto „Gerichte mit Geschichte“ zu sehen.

Die neue Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE „Revolutionen, Kriege, Entdeckerfahrten: Wie Essen die Welt prägte“ erscheint am 29. Januar zum Copypreis von 8,50 Euro.


Hamburg, 28. Januar 2019

SPIEGEL-Verlag
Kommunikation
Maria Wetzel
Telefon: 040 3007-2903
E-Mail: maria.wetzel@spiegel.de