SPIEGEL-Agenda 2018 wird umgesetzt: Geschäftsführung und Chefredaktion starten Produktoffensive und Restrukturierungsprogramm zur Sicherung des wirtschaftlichen Erfolgs und der Unabhängigkeit des SPIEGEL

Neue Print- und Digitalprojekte / Bezahlangebote auf SPIEGEL ONLINE im ersten Halbjahr 2016 / Restrukturierungsprogramm mit mehr als 100 Maßnahmen soll die Kosten um rund 16 Millionen Euro senken / 150 Stellen entfallen / "SPIEGEL-Weg" für den Personalabbau geplant

Grünes Licht für die SPIEGEL-Agenda 2018. Das von Geschäftsführer Thomas Hass im Juni angekündigte Programm, mit dem der langfristige wirtschaftliche Erfolg und damit die publizistische Unabhängigkeit des SPIEGEL gesichert werden sollen, wird umgesetzt. Das haben die Gesellschafter des SPIEGEL-Verlags am Montag in Hamburg beschlossen.

"Es geht uns gemeinsam darum, die SPIEGEL-Gruppe als Heimat des investigativen politischen Journalismus zu stärken und sie gleichzeitig zu einem innovativen multimedialen Unternehmen zu entwickeln. Dafür schaffen wir jetzt die Voraussetzungen – mit der Agenda 2018, durch Wachsen und Sparen gleichermaßen", sagt Thomas Hass. Das Programm sieht vor, einerseits ein Produktportfolio aufzubauen, mit dem die Umsätze des Verlags stabilisiert werden können, und andererseits die Organisation des Unternehmens wirtschaftlich zu gestalten, um dauerhaft eine Summe von 15 Millionen Euro einzusparen.

Zum Thema Wachsen:

Einige Neuerungen sind seit Juni erfolgreich gestartet: der LITERATUR SPIEGEL zum Beispiel oder der neue Digitalableger bento. Chefredaktion und Geschäftsführung haben darüber hinaus 15 Projekte initiiert, für die die Redaktionen von SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE, SPIEGEL TV, die Dokumentation und die Verlagsabteilungen in interdisziplinären Teams Konzepte entwickelt haben. "Wir werden gerade jenes experimentierfreudige und moderne Medienhaus, das wir sein wollen", sagt Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des SPIEGEL. "Wir bündeln die publizistische und organisatorische Kraft des gesamten Hauses und setzen sie gezielt ein, um die bestehenden Produkte noch besser zu machen und neue digitale Angebote zu entwickeln", ergänzt Florian Harms, Chefredakteur SPIEGEL ONLINE.

Elf der Projekte sollen nun umgesetzt werden. Dazu gehören mögliche Regionalteile im Nachrichten-Magazin (wird zunächst in NRW getestet), die perfektionierte SPIEGEL-App (Dezember 2015), ein digitales tägliches und kuratiertes Nachrichtenangebot (Arbeitstitel SPIEGEL daily) und das Bezahlangebot DER SPIEGEL International (beide bis Mitte 2016). In den kommenden Wochen soll der erste kostenpflichtige Artikel auf SPIEGEL ONLINE erscheinen. Klaus Brinkbäumer: "Es ist für die Zukunft des Qualitätsjournalismus wichtig, dass aufwendig recherchierte und herausragend geschriebene Texte nicht nur gedruckt, sondern auch digital verkauft und nicht verschenkt werden."

Zum Thema Sparen:

Das Gesamtprogramm der Restrukturierung haben die Führungskräfte aus Redaktion, Dokumentation und Verlag gemeinsam mit der Geschäftsführung erarbeitet. Es besteht aus mehr als 100 Maßnahmen, die die Sach- und Personalkosten bis Ende 2017 um rund 16 Millionen Euro senken sollen, etwa durch das Optimieren von Arbeitsprozessen, das Auslagern von Tätigkeiten oder das Einschränken von Service- und freiwilligen Sozialleistungen.

Alle drei Bereiche des SPIEGEL-Verlags leisten große Beiträge zur gesamten Sparsumme (Redaktion: 6,4 Millionen Euro, Dokumentation: 1,5 Millionen Euro, Verlag: 8,2 Millionen Euro). "Wir haben großen Wert darauf gelegt, die Lasten gleichmäßig zu verteilen. Dabei ging es uns nicht um ein streng paritätisches Vorgehen, sondern um sinnvolle Maßnahmen für die einzelnen Bereiche und den SPIEGEL insgesamt. Denn wir wollen nicht das kleinstmögliche, sondern das bestmögliche Unternehmen für die Zukunft bauen. Das heißt: Unabhängigen SPIEGEL-Journalismus wird es nur mit einer starken, unabhängigen Redaktion und einem starken, wirtschaftlich stabilen Verlag geben", sagt Thomas Hass.

Durch die Restrukturierungsmaßnahmen werden voraussichtlich rund 150 von derzeit 727 Stellen im SPIEGEL-Verlag wegfallen. Thomas Hass: "Es sind harte und schmerzliche Einschnitte, die wir vor uns haben. Ich bedaure sehr, dass wir uns von Kolleginnen und Kollegen trennen müssen. Aber es gibt leider keine Alternative zu diesem Abbau von Stellen, wenn wir die wirtschaftliche Zukunft unseres Unternehmens sichern wollen."

Auf einer Mitarbeiterversammlung am Dienstagmorgen kündigte der SPIEGEL-Geschäftsführer an, dass der Verlag den Personalabbau möglichst fair und angemessen gestalten will und dabei vor allem auf freiwillige Beendigungen setzt. "Es wird dafür einen eigenen, verantwortungsvollen SPIEGEL-Weg geben, den wir in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat sorgfältig vorbereiten", so Thomas Hass.



Hamburg, 1. Dezember 2015

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