manager magazin

„Absolut unbefriedigend“

Infineon-Interimschef Max Dietrich Kley über die Hintergründe des Ausscheidens des Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher / Dubiose Vorgänge beim Bau der neuen Firmenzentrale

Die Gründe für den Abgang des Infineon-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher am 25. März waren bislang im Dunkeln geblieben. In manager magazin (Erscheinungstermin: 23. April 2004) äußert sich der Interimschef des Münchener Halbleiterkonzerns, Max Dietrich Kley, erstmals öffentlich über die Hintergründe. Das Ergebnis und der Aktienkurs seien „absolut unbefriedigend“ gewesen, begründet Kley die Entlassung Schumachers. Um diesen „inakzeptablen Zustand“ zu ändern, sucht er jetzt nach einem Nachfolger, der „neben Branchenkenntnis und Technikverstand vor allem über Turnaround-Erfahrung verfügt“.

Erstaunlich an den Äußerungen Kleys ist die Tatsache, dass er in seiner Eigenschaft als Infineon-Aufsichtsratschef in der Hauptversammlung Ende Januar noch gesagt hatte, der Infineon-Vorstand habe „Außerordentliches geleistet“. Selbst nach dem Abgang Schumachers versicherte Kley, die Strategie des Geschassten werde beibehalten. Und Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl behauptete, die Demission habe mit dem Geschäftsverlauf nichts zu tun.

Weiter berichtet manager magazin über dubiose Vorgänge während der Amtszeit von Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Infineon vergab den Auftrag für Planung und Bauleitung der neuen Konzernzentrale „Campeon“ in Neubiberg bei München an das Architekturbüro TEC PMC, das von Moritz und Sebastian Knorr geführt wird. Die Brüder sind Söhne von Jürgen Knorr, dem ehemaligen Chef der Siemens-Halbleitersparte, aus der Infineon hervorging. Knorr gilt als Förderer Schumachers.

TEC erhielt den Zuschlag für das 500-Millionen-Euro-Objekt auf Wunsch Schumachers, obwohl zuvor bereits ein anderes Architektur-Büro beauftragt worden war. Unter der Leitung von TEC verzögerte sich das Vorhaben enorm. Ursprünglich wollte Infineon im September 2003 einziehen. Derzeit ist gerade einmal eine Grube ausgehoben. Nach Schumachers Abgang wurde der Vertrag mit den Knorr-Brüdern gekündigt.

Autorinnen: Eva Müller, Ursula Schwarzer
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