DER SPIEGEL

Afghanistans Aufbauminister erhebt schwere Vorwürfe gegen CIA und Uno

Bisher nur 90 Millionen Dollar Aufbauhilfe / Uno-Mission verschwendet Hilfsgelder für Luxus-Zwecke / "Die CIA bezahlt die Warlords, sie müssten sie entmachten"

Berlin, 9. September 2002 - Der afghanische Minister für Wiederaufbau, Amin Farhang, wirft der Uno und den Ländern der Anti-Terror-Allianz vor, sie würden ihre Versprechen über die zugesagte Aufbauhilfe brechen und stattdessen mehrere hundert Millionen Dollar für überhöhte Gehaltszahlungen sowie Zahlungen an die regionalen Kriegsfürsten verschwenden.

"Was hatten all diese Geberstaaten nicht große Mäuler auf der Konferenz von Tokio im Januar, wo sie begeistert Versprechen gemacht haben", sagte Farhang in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. Von den dort zugesagten 4,5 Milliarden Dollar seien bei der afghanischen Regierung bisher aber lediglich 90 Millionen Dollar angekommen. "Das große Geld kriegen andere", beschwerte sich Farhang. So habe etwa die Uno-Mission schon 560 Millionen Dollar erhalten, deren Mitarbeiter nun alle "in einem teuren Geländewagen durch die Gegend kutschieren". Auch bei den Löhnen der Uno-Helfer werde viel Geld vergeudet. "Von jedem Euro Hilfe kommen nur 30 Cents den Afghanen zugute", beklagte Farhang.

Zugleich warf Farhang der US-Regierung vor, sie trage durch ihre widersprüchliche Politik zur Destabilisierung Afghanistans bei. Erst durch "die Bomben und das Geld der Amerikaner" seien die regionalen Kriegsfürsten so stark geworden. Wörtlich sagte Farhang: "Die CIA bezahlt die Warlords, damit ihre Truppen gegen al-Qaida und Taliban kämpfen." Die USA müssten aber "die Warlords entmachten, bevor es zu spät ist". Man könne ein Land "nicht gleichzeitig als Zielscheibe benutzen und es wieder aufbauen". Solange kein Geld in den Wiederaufbau fließe, warnte Farhang, "haben die Menschen kaum eine andere Wahl, als Waffendienst für die Warlords zu leisten".

Das vollständige Interview ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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