DER SPIEGEL

Amos Oz: "Wenn Amerika der Teufel ist, dann ist Israel Rosemaries Baby"

Israelischer Schriftsteller wirft Europäern Parteinahme für die Palästinenser vor
Der bedeutende israelische Schriftsteller Amos Oz wirft den europäischen Meinungsbildnern nicht nur Anti-Amerikanismus vor, sondern auch eine anti-israelische Haltung. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte Oz: "Besonders irritieren mich die Meinungsbildner in Europa, die sich simplifizierend auf die Seite der Palästinenser schlagen." Es liege ein "sonderbarer Schatten" auf den europäisch-israelischen Beziehungen. Die Ursachen macht Oz in einem Anti-Amerikanismus europäischer Kolumnisten und Kommentatoren aus. "Wenn Amerika der Teufel ist, dann ist Israel Rosemaries Baby", sagte Oz. Er warf insbesondere Deutschland vor, zu wenig Verständnis für Israel aufzubringen: "Solange die Palästinenser leiden, hat man Verständnis für deren Gewaltakte, wenn sich aber Juden wehren, hat man keines."

Oz, dessen Roman "Allein das Meer" gerade auf Deutsch erschienen ist, sprach sich gegen einen Krieg gegen den Irak aus. Bushs Politik sei die falsche Antwort auf die mögliche Herstellung von Waffenvernichtungsmitteln. Oz forderte einen Marshall-Plan für den Nahen Osten. Es sei sinnvoller, die Kriegsgelder in Länder wie die Türkei oder Jordanien fließen zu lassen. Sollten diese muslimischen Länder prosperieren, wären dies Signale für die ganze Region. Nur so könnten Diktaturen langfristig bekämpft werden.

In dem Interview geht Oz scharf mit Ariel Scharon und Jassir Arafat ins Gericht. Beide Führer bezeichnete er als "eine Katastrophe" für ihre Völker. Sie seien wie "siamesische Zwillinge": "Beide brauchen einander, um an der Macht zu bleiben." Sie gehörten der Vergangenheit an, weil sie nicht umsetzten, was jeder Bauer in Israel und Palästina wisse: dass es zweier Staaten bedürfe, um Frieden zu stiften. Solange Scharon und Arafat an der Macht seien, werde sich nichts zum Besseren wenden, sagte Oz.

Das vollständige Interview ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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