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Bankhaus Sal. Oppenheim und Immobilienpartner Esch wollten angeblich KarstadtQuelle ausplündern

Geheimpapier im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren in Köln aufgetaucht

Eine Gruppe rund um das Bankhaus Sal. Oppenheim und dessen ehemaligen Immobilienpartner Josef Esch plante offenbar im Frühjahr 2005 eine Machtübernahme beim damaligen Handelskonzern KarstadtQuelle, der späteren Arcandor AG, um sich die milliardenschweren Immobilienwerte der Warenhauskette Karstadt anzueignen. Wie das manager magazin in seiner am Freitag (23. August) erscheinenden Ausgabe berichtet, vereinbarten die Akteure die Gründung einer Gesellschaft, die eine große Mehrheit der Aktien erwerben und anschließend den verbleibenden Streubesitzaktionären ein Übernahmeangebot machen sollte. Mit einem Squeeze-out sollte verhindert werden, dass die freien Aktionäre am Gewinn teilhaben würden.

Die Gruppe bestand aus Esch, dem damaligen Oppenheim-Chef Matthias Graf von Krockow, dem seinerzeitigen KarstadtQuelle-Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff sowie der Großaktionärin Madeleine Schickedanz und deren Ehemann Leo Herl.

Das Vorhaben geht nach Angaben des Magazins aus einer zweiseitigen schriftlichen Abmachung hervor, die die Anwälte von Schickedanz im Schadenersatzprozess der Versandhauserbin gegen die Bank und Esch dem Landgericht Köln vorgelegt haben. Dieses sogenannte „Rotterdam-Papier" verdankt seine Bezeichnung der Tatsache, dass Esch damals in die niederländische Großstadt flog, um Frau Schickedanz das Schriftstück am Flughafen unterschreiben zu lassen. Die Schickedanz-Anwälte wollen laut manager magazin mit dem Dokument beweisen, dass ihre Mandantin als Strohfrau für die Aufnahme von Krediten und den Erwerb von KarstadtQuelle-Aktien missbraucht wurde. Das Vorhaben scheiterte zwar schon bald daran, dass es Middelhoff nicht gelang, einen Finanzinvestor zu finden, der 700 Millionen Euro beisteuern sollte. Dennoch habe Schickedanz im Jahr 2005 vom Bankhaus Sal. Oppenheim zwei Kredite über insgesamt 430 Millionen Euro von Sal. Oppenheim gewährt bekommen und hierfür Aktien gekauft.

Die Insolvenz von Arcandor im Juni 2009 trug schließlich wesentlich zur Beinahepleite des Bankhauses und zum Verlust des Schickedanz-Vermögens bei. Die Anwälte Josef Eschs bestätigen in ihrer Klageerwiderung die wesentlichen Eckpunkte des Papiers, weisen aber den Verdacht zurück, Frau Schickedanz sei als Strohfrau benutzt worden. Sie habe die Kredite im eigenen Namen aufgenommen und auch die Aktien auf eigene Rechnung gekauft.

Autor: Sören Jensen
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