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„Da müssen wir uns vorher noch ordentlich die Wadeln richten“

Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der Porsche SE und seit April VW-Aufseher, übt Kritik an der Geschäftspolitik des Wolfsburger Autokonzerns: „Da gibt es viel zu tun“, sagte er im Interview mit dem manager magazin (Erscheinungstermin: 30. Mai 2008).

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche kritisiert die Geschäftspolitik des
Autokonzerns

Aus seiner Sicht sei der Vertrieb „die größte Schwachstelle“. „Da weiß bisweilen die Linke nicht, was die Rechte tut“, so Porsche gegenüber mm. Die einzelnen VW-Marken machten sich untereinander Konkurrenz. Der Wettbewerb, findet Porsche, müsse aber „draußen und nicht im eigenen Konzern“ gesucht werden. „Man sollte aufpassen, dass man sich nicht aus Prestigegründen Deckungsbeiträge kaputt macht“, so Porsche.

Der Porsche-Enkel glaubt nicht, dass VW schon bald so gut werden könne wie das
Vorbild Toyota: „Da müssen wir uns vorher noch ordentlich die Wadeln richten.“
Vor allem in den USA hänge VW zurück. Dort, so Porsche, verliere der Konzern
seit Jahren Geld. Die einzelnen Konzernmarken würden sich gegenseitig
unterbieten. Hier, fordert der VW-Kontrolleur, müsse sich „dringend“ etwas
ändern.

Dass sich der Machtkampf um VW derart zugespitzt habe, habe ihn überrascht.
Zwar, so Porsche, habe man „mit dem einen oder anderen Rückschlag“ rechnen
müssen, „aber dass sich die Sache so extrem entwickeln würde, mit Schlägen
unterhalb der Gürtellinie, das – gebe ich ehrlich zu – habe ich nicht
erwartet“. Nun sieht Wolfgang Porsche seine Hauptaufgabe in der Deeskalation:
„Jedes Öl, das in dieses Feuer gegossen wird, vergrößert den Brandherd.“ Im
Streit um die Mitbestimmung glaubt er sich mit VW-Betriebsratschef Bernd
Osterloh bald einigen zu können. Eine Vereinbarung sei „so gut wie
ausverhandelt“, erklärte Porsche. Es bleibe bei der paritätischen Verteilung
der Aufsichtsratsmandate für Arbeitnehmer zwischen Porsche und VW. Im Gegenzug
würden VW im Holding-Betriebsrat „weit mehr Mandate als ursprünglich
vorgesehen“ gewährt, so Porsche.

Das von der Bundesregierung beschlossene neue VW-Gesetz wird seiner Meinung
nach vor der EU-Rechtsprechung nicht bestehen können: „Das VW-Gesetz ist doch
ein Anachronismus. Es gibt ja auch kein Daimler-Gesetz.“ Der Clanchef sprach
sich in mm dafür aus, dass künftig, anders als bisher, Familienmitglieder ins
Management rücken könnten. Die Porsche SE sei auf Wachstum angelegt. In Zukunft
könnten ihr, neben der Porsche AG und der VW AG, weitere Unternehmen
angegliedert werden. Man könnte schon mal darüber nachdenken, findet Wolfgang
Porsche, dass „in der nächsten oder übernächsten Generation der eine Herrscher
dieses, der andere Chef jenes Unternehmens wird“.

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