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Deloitte-Bericht über das Finanzgebaren der Privatbank Sal. Oppenheim

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat in ihrem Bericht für die Bankenaufsicht BaFin schwere Vorwürfe gegen die bis vor Kurzem amtierende Führung der Privatbank Sal. Oppenheim erhoben.

Wirtschaftsprüfer sprechen von „Strohmann-Kredit“

Wie das manager magazin in seiner am Freitag, 23. April, erscheinenden Ausgabe
meldet, hält Deloitte den Jahresabschluss 2008 von Sal. Oppenheim für falsch.
Nach dem Urteil der Wirtschaftsprüfer hätte das Institut um etwa 300 Millionen
Euro höhere Wertberichtigungen vornehmen müssen – dies vor allem wegen
zahlreicher Engagements, die im Zusammenhang mit dem damals schon schlingernden
Handelskonzern Arcandor standen, der schließlich Mitte 2009 Insolvenz
anmeldete. Das gesamte Arcandor-Risiko in der Bankbilanz per Ende 2008
beziffert Deloitte demnach auf mehr als eine Milliarde Euro.

Einen Kredit über rund 300 Millionen Euro, den Sal. Oppenheim 2005 einer
Gesellschaft namens ADG Allfinanz Dienstleistungen GmbH gewährt hatte,
bezeichnete Deloitte nach Information des Magazins als „Strohmann-Kredit“. Die
ADG, die dem Bankhaus nahestand, hatte das Darlehen an die
Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz weitergereicht. Für den
ADG-Kredit hatten – höchst bankunüblich – einige Oppenheim-Bankiers und ihre
Ehefrauen persönlich gebürgt.

Die Oppenheim-Oberen hatten sich zudem Kredite in Höhe von fast 700 Millionen
Euro selbst gewährt, zum großen Teil ohne Sicherheiten und zum Vorzugszinssatz
von 1,5 Prozent. Deloitte sieht in diesen Darlehen Verstöße gegen die
Kapitalerhaltungsregeln des Aktiengesetzes.

Der Deloitte-Bericht liegt der Staatsanwaltschaft Köln vor, die gegen die
ehemalige Bankführung wegen Untreue und Veruntreuung von Bankvermögen
ermittelt. Sal. Oppenheim gehört seit Anfang März der Deutschen Bank.

Autor: Sören Jensen
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