manager magazin

Deutsche Aktionäre kritisieren die Arbeit der Aufsichtsräte

Anleger fordern Begrenzung der Mandate und schärfere Haftung: Corporate Governance-Experte Gerhard Cromme fürchtet Eingreifen des Gesetzgebers

Die privaten Aktionäre in Deutschland sind mit der Corporate Governance, der Leitung und Aufsicht der hiesigen Börsenfirmen, unzufrieden. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid ist jeder fünfte Anleger der Ansicht, dass die Kontrolleure der deutschen Börsenfirmen ihren Job „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ausüben. Das berichtet das Hamburger manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe (manager magazin 4/2004, Erscheinungstermin: 26. März 2004).

Die Anleger fordern eine ganze Reihe von Maßnahmen, um die Kontrolle zu verbessern. Kritisiert wird unter anderem die Ämterhäufung vieler deutscher Firmenwächter. 81 Prozent der Befragten sind der Ansicht, Aufsichtsräte sollten nicht mehr als drei Mandate bei unterschiedlichen Gesellschaften wahrnehmen dürfen. 78 Prozent der Anleger fordern zudem eine Verschärfung der Haftung; Aufseher müssten bei Fehlern mit ihrem persönlichen Vermögen einstehen. Auch der in Deutschland weit verbreitete Wechsel des Vorstandsvorsitzenden auf den Stuhl des Aufsichtsratsvorsitzenden wird von zwei Dritteln der Aktionäre abgelehnt.

Die Corporate Governance in Deutschland zu verbessern ist das Ziel einer Regierungskommission unter der Leitung des ThyssenKrupp-Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme. Der von der Kommission entwickelte Kodex empfiehlt unter anderem, dass die Gehälter von Vorständen und Aufsichtsräten im Geschäftsbericht der Firmen individuell ausgewiesen werden. Da der Vorschlag in diesem Jahr jedoch nur von jedem dritten Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax umgesetzt werden dürfte, steht die Akzeptanz der Kommission zunehmend auf dem Spiel. „Das ist natürlich nicht genug“, sagte Cromme dem manager magazin. „Sollte es dabei auf Dauer bleiben, müssen wir damit rechnen, dass der Gesetzgeber, ob in Berlin oder Brüssel, das Thema aufgreift.“

Autor: Ulric Papendick
Telefon: 040/308005-69

Hamburg, 25. März 2004

manager magazin
Kommunikation
Eva Wienke

Telefon: 040/3007-2320
E-Mail: Eva_Wienke@manager-magazin.de

Weitere Pressemeldungen

Alle Leserinnen und Leser können sich im Oktober auf eine vielseitige Literaturberichterstattung beim SPIEGEL freuen. Der digitale SPIEGEL präsentiert…
Mehr lesen