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Deutschland drohen „italienische Verhältnisse“

RAG-Chef Werner Müller warnt im Interview mit manager magazin vor falschen energiepolitischen Weichenstellungen

Vor den Folgen einer verfehlten Energiepolitik warnt Werner Müller, Vorstandsvorsitzender des Essener RAG-Konzerns im Gespräch mit dem am Freitag erscheinenden manager magazin. „Es fällt gegenwärtig schwer, sich seinen Optimismus zu bewahren“, so Müller.

Müller plädiert für eine energiepolitisch vernünftige Ausgestaltung des ab 2005 geplanten Emissionsrechtehandels. „Wenn jetzt Unfug vereinbart wird, wird in Deutschland kein einziges Kohlekraftwerk mehr gebaut“, so der RAG-Chef gegenüber mm. Das hätte fatale Folgen für den Standort Deutschland. Müller: „Allein mit Gaskraftwerken können wir unseren Strombedarf nicht decken.“

Dringend mahnt der frühere Bundeswirtschaftsminister ein verbindliches allgemeines Energieprogramm für Deutschland an; darin sollte zum Beispiel der Einsatz der unterschiedlichen Energiearten festgeschrieben und die Frage der Versorgungssicherheit schleunigst geklärt werden. „Die Zeiten“, so Müller, „in denen wir Strom im Überfluss zu billigen Preisen hatten, sind vorbei.“ In der heutigen liberalisierten Stromwelt könne jeder mit der Knappheit der Ware „Strom“ Gewinne machen. Das könne für die einzelne Firma von Vorteil sein, „für die Volkswirtschaft ist es tödlich“.

Vehement spricht sich Müller im mm-Interview gegen Überlegungen von Wettbewerbshütern aus, langfristige Gasbezugsverträge zu verbieten. „Abenteuerlich“ sei eine solche Idee. Damit entzöge man der sicheren Gasversorgung die Basis. Die Unternehmen würden nur dann Milliarden in neue Vorkommen in Norwegen oder Russland stecken, wenn sie ihr Gas auch auf Jahre hinaus geliefert und abgesetzt bekämen.

Von der für den Sommer geplanten Regulierungsbehörde für Strom und Gas erwartet Müller wenig Gutes. „Am Ende werden Stromanbieter nahezu kostenfrei die Netze der Alt-Versorger benutzen können“, glaubt der Ex-Politiker. Dann würde keiner mehr für die Instandhaltung Geld ausgeben wollen. Es bestünde die Gefahr permanenter Stromausfälle. Müller: „Wenn wir jahrelang zu wenig in die Stromversorgung investieren, bekommen wir italienische Verhältnisse.“ Italien könne seinen Strombedarf schon heute nicht mehr ohne Importe decken: „Und wenn dann mal in der Po-Ebene ein Baum auf die Leitung fällt, wird es immer für ein oder zwei Tage zappenduster.“

Autor: Dietmar Student
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