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Die Bundesrepublik erlebt die größte Auswanderungswelle ihrer Geschichte / Experte: „Wir bluten aus“

Noch nie seit Gründung der Bundesrepublik haben so viele Deutsche das Land
verlassen wie in den letzten beiden Jahren. Im vergangenen Jahr sind rund 160
000 Deutsche ins Ausland übergesiedelt. Das ergibt sich aus Zahlen des
Statistischen Bundesamts, die der Zeitschrift manager magazin
(Erscheinungstermin: 23. Juni 2006) vorliegen. Danach sind gegenüber dem
Vorjahr die Auswandererzahlen abermals um 8 Prozent gestiegen. Die
Auswandererzahlen liegen damit um 60 Prozent über den Werten Anfang der 90er
Jahre.

Da die Statistik nur jene Personen erfasst, die sich ordnungsgemäß in
Deutschland abmelden, dürften die tatsächlichen Auswandererzahlen
Expertenschätzungen zufolge bei 250 000 Deutschen jährlich liegen.

Der führende Migrationsforscher Klaus Bade sieht Deutschland bereits in einer
bevölkerungspolitischen Krise. „Wir befinden uns in einer migratorisch
suizidalen Situation“, sagte der Osnabrücker Professor dem manager magazin.
Weil es „uns schlechter gelingt, jungen, fähigen Leuten hier in Deutschland
eine Perspektive zu bieten“, zugleich aber vor allem gering Qualifizierte
zuwanderten, steht für Bade fest: „Wir bluten aus.“ So rechnet der Forscher mit
weiter steigenden Auswandererzahlen: „Der Sog hat sich entfaltet, und er wird
so schnell nicht verschwinden.“

Autor: Dr. Henrik Müller
Telefon: 040/308005-38

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Kommunikation
Eva Wienke
Telefon: 040/3007-2320
E-Mail: Eva_Wienke@manager-magazin.de

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