DER SPIEGEL

„Die Uno ist nicht Befehlsempfänger einer Besatzungsmacht“

Uno-Untergeneralsekretär Shashi Tharoor: Beschluss des Sicherheitsrats ist Voraussetzung für eine stärkere Beteiligung der Uno an der Nachkriegsordnung im Irak / Mandat der Krieg führenden Koalition nicht ausreichend
Hamburg, 11. 4. 2003 – Angesichts der anarchischen Zustände in den Städten des Irak fordert Uno-Untergeneralsekretär Shashi Tharoor die Alliierten auf, endlich für Ordnung zu sorgen. „Nach dem Völkerrecht liegt die Verantwortung für den Schutz von Zivilisten in einer militärischen Auseinandersetzung bei den Krieg führenden Parteien“, sagt er im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Eine von vielen geforderte starke Beteiligung der Uno an der Schaffung einer Nachkriegsordnung setze jedoch voraus, dass der Sicherheitsrat die Uno dazu autorisiert.

„Die Mitglieder des Sicherheitsrates werden sich einigen müssen, bevor die Uno in einem dieser Punkte eine Rolle übernehmen kann – und es kann nicht als Befehlsempfänger irgendeiner der Besatzungsmächte sein, ganz klar", sagt Tharoor. So reiche es nicht aus, dass die Koalition der Kriegswilligen der Uno ein Mandat anbiete. Sie müssten vielmehr den Sicherheitsrat überzeugen, dieses Mandat zu erteilen.

Humanitäre Soforthilfe würde die Uno dagegen leisten, weil sie dafür ohnehin ein Mandat habe, das sich aus den Statuten ableitet. Nach dem Krieg werden jedoch Fragen des Wiederaufbaus, der Zivilverwaltung und der politischen Struktur im Irak in Angriff genommen werden müssen, „und zwar in Einklang mit der territorialen Unversehrtheit des Landes sowie dem Recht der Bevölkerung, ihre Zukunft selbst zu bestimmen und die Kontrolle über ihre natürlichen Ressourcen auszuüben“, sagt Tharoor gegenüber SPIEGEL ONLINE. Wenn die Uno etwas davon übernehmen soll, bedarf es zuvor einer Zustimmung des Sicherheitsrates.

Auf die Frage, ob die Uno die Schirmherrschaft über eine internationale Irak-Konferenz übernehmen würde, sagte Tharoor: „Der Generalsekretär ist offen für alle Vorschläge und bereit, seinen Teil zu übernehmen, sobald die Regierungen zu einer gemeinsamen Entscheidung über eine angemessene Rolle für die Uno gekommen sind.“

Der vollständige Text ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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