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„Es ist nicht entschlossen genug gehandelt worden“

manager magazin: RWE-Chef Roels fordert neue Regeln für Nebenverdienste von Abgeordneten

RWE-Chef Harry Roels hat Fehler des Energiekonzerns in der Affäre um Nebeneinkünfte von Politikern eingeräumt. „Es ist gepatzt worden“, sagte der Vorstandsvorsitzende in einem Interview mit dem manager-magazin (Erscheinungstermin: 21. Januar 2005). Wichtige Informationen seien intern nicht ausgetauscht worden, „und es ist nicht entschlossen genug gehandelt worden“.

Roels kündigte an, dass eine unabhängige Kommission sämtliche konzerninternen Bestimmungen prüfen werde, so auch Vereinbarungen über die Freistellung von Mitarbeitern zur Wahrnehmung staatsbürgerlicher Mandate. Der Vorstandsvorsitzende pochte darauf, dass dieser Kodex dann auch ständig auf seine Einhaltung kontrolliert werden müsse: „Ein Büchlein mit goldenen Regeln der RWE reicht nicht aus.“ Die Arbeit der Kommission solle bis zum Sommer abgeschlossen sein.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und der damalige Bundesvorsitzende der CDU-Sozialausschüsse (CDA), Hermann-Josef Arentz, hatten von RWE Gehälter und andere Zahlungen erhalten, offenkundig ohne dass sie Gegenleistungen erbracht hatten. Die Christdemokraten mussten deshalb von ihren Ämtern zurücktreten. Die Namen der kommunalen Mandatsträger, die von RWE Gehälter beziehen, hat der Konzern noch nicht veröffentlicht. Es soll sich um mehr als 200 Personen handeln.

Roels äußerte sich gegenüber manager magazin auch zu geschäftlichen Fragen. Danach will der Energiekonzern bei der Privatisierung der polnischen Gas- und Stromwirtschaft mitbieten. „Polen ist ein Land, das bei uns oben auf der Liste steht“, sagte Roels, „wir wissen genau, was wir wollen.“ Der Vorstandsvorsitzende rückte von der Absicht ab, in Kürze über eine Beteiligung an der RAG-Tochter Steag zu entscheiden: „Das Thema stellt sich komplexer dar als erwartet.“ Es fehlten noch Zahlen, um den Energieerzeuger bewerten zu können. Deswegen werde es „einige Monate länger dauern“, bis es zu einem Beschluss komme.

Autor: Martin Noé
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