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„Es werden schwierige Jahre“

Der neue ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling über die Zukunft der hoch verschuldeten Sendergruppe

Thomas Ebeling, Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Media AG (P7S1), rechnet für
das laufende Geschäftsjahr mit weiter sinkenden Einnahmen. „Natürlich ist die
Rezession ein Problem“, sagte er dem manager magazin (Erscheinungsdatum: 29.
Mai) in seinem ersten Interview seit Amtsantritt. „Doch eines Tages kommt man
auch aus ihr heraus. Wenn wir bis dahin unsere Marktanteile halten und die
Strahlkraft unserer Marken verbessern können, ist das eine sehr gute
Ausgangslage. Aber 2009 und 2010 werden schwierige Jahre.“

Ebeling geht davon aus, dass der Fernsehwerbemarkt in Deutschland 2009
„vermutlich über 10 Prozent“ schrumpfen werde. Dennoch erwartet er im laufenden
Geschäftsjahr wieder einen kleinen Gewinn („Dies ist unser Ziel.“). Der Umsatz
von P7S1 und seiner Sender ProSieben, Sat.1, N24 und Kabel 1 war 2008 auf 3,1
Milliarden Euro gesunken, die Verluste betrugen 130 Millionen Euro.

Nach dem Umzug des Senders Sat.1 von Berlin an den Hauptsitz in München-
Unterföhring, den nur 30 der 220 Beschäftigten mitmachen, seien weitere
Entlassungen nicht mehr notwendig: „Wir werden jene 225 Stellen streichen, die
bereits 2008 kommuniziert worden sind.“

Ebeling sagte weiter: „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir 2009 keine
Probleme mit den Kreditvereinbarungen bekommen werden. Aber man muss sich
natürlich gut überlegen, wie man seine Finanzen managt. ProSiebenSat.1 hat eine
robuste Ertragskraft.“ Das von den Finanzinvestoren KKR und Permira beherrschte
Unternehmen leidet unter hohen Schulden. Allein der Zinsdienst verschlang 255
Millionen Euro im Jahr 2008.

Schlagzeilen machte Sat.1 zuletzt durch die Verpflichtung zugkräftiger
Fernsehprominenz: Franz Beckenbauer, Johannes B. Kerner und Oliver Pocher
wurden für viel Geld angeworben: „Für uns ist die Rückgewinnung von
Zuschauermarktanteilen bei Sat.1 zwischen 20 und 23 Uhr, der
Hauptvermarktungszeit, am wichtigsten. Wir können uns dies leisten, weil wir in
allen Programmbereichen auf größte Effizienz achten. Wir glauben, dass
Leuchttürme wie Pocher, Kerner, „ran“ oder Raab und „Germany’s Next Topmodel“
bei ProSieben sehr wichtig sind, um Sender strahlen zu lassen.“

Autor: Klaus Boldt
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