manager magazin

EU-Expertengruppe plant Zwangsanleihe für Großbanken

Auch zusätzlicher Kapitalpuffer in der Diskussion / Ex-Unicredit-Chef Profumo hat Liikanen-Gruppe mittlerweile verlassen

Die Regulierung der europäischen Bankenbranche gewinnt an Fahrt. Im Spätsommer dieses Jahres will eine von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier eingesetzte Expertengruppe ihre Vorschläge vorlegen. Nach dem bisherigen Diskussionsstand der Gruppe könnte dazu ein zusätzlicher Eigenkapitalpuffer für systemrelevante Banken sowie ein neuer Typ von Anleihen gehören, zu deren Ausgabe Europas Banken verpflichtet würden. Das berichtet das manager magazin in seiner neuesten Ausgabe (Erscheinungstermin: 25. Mai).

Das vom finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen geleitete Gremium, zu dem unter anderem der scheidende EADS-Chef Louis Gallois und der deutsche Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen (Uni Frankfurt/Main) gehören, soll sich vor allem Gedanken über die künftige Struktur des Finanzgewerbes machen.

Zu den Vorschlägen der Gruppe könnte nach Informationen des manager magazin ein zusätzlicher, individueller Eigenkapitalzuschlag für systemrelevante Banken gehören, der sich am Risiko orientieren soll, das von Größe und Geschäftsmodell der Institute ausgeht. Außerdem wollen Liikanen & Co. einen neuen Typ von Anleihen vorschlagen, der im Insolvenzfall ähnlich wie Eigenkapital behandelt würde. Diese Papiere, zu deren Ausgabe man die Banken nach den Vorstellungen der Experten verpflichten müsse, dürften nur von Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Staatsfonds gekauft werden, nicht aber von den Banken selbst. Das soll die Vernetzung der Geldhäuser untereinander reduzieren – und Bankpleiten volkswirtschaftlich wieder verkraftbar machen.

Der einzige aktive Banker in der Expertengruppe, Ex-Unicredit-Chef Alessandro Profumo, hat die Gruppe bereits wieder verlassen. Profumo leitet seit Kurzem den Verwaltungsrat des drittgrößten italienischen Bankhauses Monte dei Paschi di Siena.

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