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„Europa ist für Amerika nicht mehr wichtig – egal, wer US-Präsident wird“

„Ära des starken europäischen Einflusses geht zu Ende“ – mm-Interview mit dem US-Historiker Harold James

Die Europäer sollten sich keine Illusionen über die Folgen eines möglichen Machtwechsels im Weißen Haus machen, warnt der renommierte Historiker Harold James. „Europäer und Amerikaner reden inzwischen aneinander vorbei. Die Wahlen werden daran nichts ändern. Egal, wer an der Macht ist – die Interessen der USA sind einfach andere als die Europas“, sagte James in einem Interview mit dem manager magazin. Das Zerwürfnis über den Irak-Krieg sei „nur der vorläufige Schlusspunkt eines langen Prozesses“ gewesen. Aus amerikanischer Sicht sei Europa heute „nicht mehr so wichtig wie in der Ära des Kalten Krieges – es befindet sich nicht mehr im Zentrum der globalen Entwicklung, sondern auf der Seitenlinie“.

James, Professor für Geschichte an der Eliteuniversität Princeton, sieht mehrere strukturelle Faktoren, die sich auf die transatlantischen Beziehungen auswirkten. Die wirtschaftliche Dynamik habe sich nun mal nach Asien verlagert, weshalb Staaten dieser Region mehr US-Interesse auf sich zögen. Auch in sicherheitspolitischen Fragen verlagere sich die Aufmerksamkeit der USA von Europa in andere Weltregionen. „Mit China redet die US-Regierung über die atomare Bedrohung in Nordkorea, mit Russland über den Kampf gegen islamistische Terroristen. Im Gegensatz zu Europa ist Amerika nun mal eine Weltmacht, die überall auf der Welt ihre Interessen verfolgt“, so James.

Harold James, 48, englischer Herkunft, der seit fast 20 Jahren in den USA lehrt, gilt als ausgezeichneter Kenner der Geschichte Europas und insbesondere Deutschlands.

Autor: Henrik Müller
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