DER SPIEGEL

Ex-Chef des Sportschützenbundes warnt vor Killertraining in Vereinen

Immer mehr Schützenvereine trainieren polizeiliche Schusstechniken / Ministerien ignorierten Warnungen / Waffen des Erfurter Amokläufers ohne sportlichen Wert

Berlin, 30. April 2002
Vor dem Hintergrund der Bluttat des Erfurter Amokläufers warnt der frühere Vorsitzende des Bundes deutscher Sportschützen (BDS), der Bonner Rechtsanwalt Otto Obermeyer, vor gefährlichen Fehlentwicklungen in Deutschlands Schießsportszene. "In vielen Schützenvereinen wird immer mehr das gezielte Schießen auf bewegliche Ziele trainiert", zitiert SPIEGEL ONLINE den früheren Verbandschef, der bereits 1995 aus Protest gegen diese Entwicklung seinen Posten in dem Verband aufgab, der 25 000 Sportschützen vertritt.

In manchen Vereinen werde sogar eine Technik geübt, die ausschließlich darauf ausgerichtet sei, möglichst viele Ziele in kürzester Zeit zu treffen. Diese sei eigentlich nur für Sicherheitskräfte entwickelt worden, etwa um Täter bei Geiselnahmen auszuschalten. Vielerorts "erlernen die Jugendlichen Techniken, die sie befähigen, zu Killern zu werden, wenn sie ausrasten", warnt Obermeyer.

Der erfahrene Sportschütze habe in Schreiben an die Innenministerien der Länder und des Bundes in den vergangenen Jahren mehrfach vor dieser Entwicklung gewarnt, doch die Behörden hätten die Warnungen ignoriert, berichtet SPIEGEL ONLINE. Zugleich kritisiert Obermeyer die lasche Handhabung des Waffenrechts. So werde in den amtlichen Waffenbesitzkarten lediglich eine allgemeine Waffenart und die Kalibergröße festgehalten. "Ob das letztlich eine Flinte oder eine Pump-Gun ist, scheint den Behörden egal zu sein", klagt der Ex-Verbandschef.

Ganz ähnlich äußerte sich auch Frank-Dieter Jäcks, Geschäftsführer des Thüringer Sportschützendbundes in Erfurt. Sowohl die Pump-Gun als auch die von dem Amokläufer erworbene Pistole vom Typ Glock 17 hätten keinerlei sportlichen Wert. "Kein Sportschütze würde eine solche Waffe kaufen", sagte Jäcks zu SPIEGEL ONLINE. Die Ordnungsbehörde habe aber durch die Rückmeldung des Händlers gewusst, dass Steinhäuser diese Waffen kaufte. "Warum sie dies nicht verhindert hat, ist mir unverständlich", erklärte Jäcks.

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