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Familienkrach im WAZ-Konzern

Geheimverträge über ein 85 Millionen Euro großes Darlehen empören Funke-Gruppe / Familie Holthoff droht Ausschluss, Klage wird geprüft

Unter den Gesellschaftern des Essener Zeitungskonzerns WAZ, den Familien Brost
und Funke, ist ein massiver Konflikt ausgebrochen. Auslöser sind drei geheime
Verträge, die Gisela Holthoff (83) und ihr Sohn Stephan Holthoff-Pförtner (63)
von der Funke-Gruppe mit den Brosts abgeschlossen haben. Dies berichtet das
manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe (Erscheinungstermin: 24. Juni)
unter Berufung auf Schriftstücke, die dem Blatt vorliegen.

Das Abkommen zwischen der im vergangenen Jahr im Alter von 90 Jahren
verstorbenen Gründerwitwe Anneliese Brost auf der einen und den Holthoffs auf
der anderen Seite umfasst einen Kooperations-, einen Darlehens- und einen
Optionsvertrag: Danach erhielt Stephan Holthoff-Pförtner von Anneliese Brost
einen Kredit über 85 Millionen Euro, den er benötigte, um seinen Bruder
auszukaufen, den WAZ-Mitgesellschafter Frank Holthoff (56). Als Sicherheit
räumten die Holthoffs eine Kaufoption auf die Hälfte ihrer Firmenanteile
(16,67 Prozent) ein. Damit hätten die Brosts die Mehrheit am Konzern
(„Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, 1,1 Milliarden Euro Umsatz);
bisher haben die Familien je die Hälfte der Anteile. Schließlich
vereinbarte Stephan Holthoff-Pförtner mit den Brosts eine umfangreiche
Kooperation.

Innerhalb der Funke-Familie, die von jeher ein gespanntes Verhältnis mit den
Brosts verbindet, gilt das Vertragswerk als höchst anrüchig, es setze die
Holthoffs dem Verdacht aus, dass sie sich ihr Wohlverhalten von Anneliese Brost
hätten abkaufen lassen. Auch verstoße es gegen die Gesellschaftersatzung der
Funke-Gruppe, namentlich gegen geltende Vorkaufsregelungen.

Jetzt sind Anwälte beauftragt worden, den Kooperations- und den Optionsvertrag
wieder aufzuheben. Von dem Ergebnis wolle es die Familie Grotkamp
(Funke-Gruppe) abhängig machen, ob sie den Ausschluss der Holthoffs aus dem
Gesellschafterkreis beantragt. Eine Klage werde geprüft.

Autor: Klaus Boldt
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