manager magazin

Hans-Ulrich Wehler fordert Historiker-Kommission für Auswärtiges Amt

Historiker gegen pauschale Bewertung von Diplomaten mit NS-Vergangenheit

Berlin, 31. März 2005 – Der Historiker Hans-Ulrich Wehler plädiert im Streit über die Gedenkpraxis für frühere Diplomaten mit NS-Vergangenheit für die Einsetzung einer unabhängigen Kommission. „Eine unabhängige Untersuchung halte ich für einen sehr vernünftigen Vorschlag“, so der Historiker im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Es gebe genügend sachkundige Historiker, „die im Stande und auch willens wären, ein Kollektivporträt des Auswärtigen Amtes zu schreiben“.

Wehler wandte sich gegen eine pauschale Bewertung von Diplomaten mit früherer NSDAP-Mitgliedschaft: „Ich finde es unglaubwürdig, beckmesserisch und kleinkariert, jetzt allein die NSDAP-Zugehörigkeit als Ausschlusskriterium zu verwenden, ohne gewissermaßen das neue Leben und das Wettmachen des alten Fehlers, den man ja nicht nur bei Hunderten, sondern bei Abertausenden Bundesdeutschen nachweisen kann, zu berücksichtigen.“ Es verstehe sich aber von selbst, dass nicht solche Diplomaten noch nachträglich durch das Auswärtige Amt geehrt werden könnten, die an der Ermordung von Juden beteiligt gewesen seien.

Außenminister Joschka Fischer hatte am Donnerstag erneut seine umstrittene Entscheidung verteidigt, in der Mitarbeiter-Zeitung des Auswärtigen Amtes keine ehrenden Nachrufe für frühere Diplomaten mehr veröffentlichen zu lassen. Über Todesfälle werde nur noch nachrichtlich informiert.

Das vollständige Interview ist unter www.spiegel.de abrufbar.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Severin Weiland
Telefon: 030/2038-7532
E-Mail: severin_weiland@spiegel.de

Kommunikation
Maria Wittwer
Telefon: 040/3007-3036
E-Mail: maria_wittwer@spiegel.de

Weitere Pressemeldungen