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Harvard Businessmanager: Manager werden leicht Opfer ihrer Instinkte

Interview mit Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeld / Übersteigertes Selbstwertgefühl und Kurzzeitdenken bei Führungskräften ganz natürlich

Ihren Instinkten zu folgen schadet Managern oft mehr, als es ihnen nützt, warnt der renommierte Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt in einem Gespräch mit dem Harvard Businessmanager (Erscheinungstermin: 22. Juli 2003). Der Biologe und Schüler des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz ist vor kurzem 75 Jahre alt geworden. Er gilt als Begründer der vergleichenden Verhaltensforschung beim Menschen und leitete jahrelang die Forschungsstelle für Humanethologie in der Max-Planck-Gesellschaft.

„Wer zu oft erfolgreich ist, kann leicht ein übersteigertes Selbstwertgefühl bekommen und seine Fähigkeiten völlig überschätzen“, erklärt Eibl-Eibesfeldt. Der Körper belohne ein Erfolgserlebnis mit dem Ausschütten des Glückshormons Testosteron. Um dieses Hochgefühl wieder zu empfinden, versucht ein Mensch, Erfolgserlebnisse möglichst häufig zu wiederholen. Die Folge: Die Betroffenen sind dann nicht mehr offen für Kritik. Sie haben so oft Erfolg gehabt, dass sie in allen schwierigen Situationen allein entscheiden wollen. Manager werden in solchen Fällen beratungsresistent und selbstherrlich.

Führungskräfte in der Wirtschaft seien zudem, so der Verhaltensforscher, immer noch sehr stark von dem in der Evolution sehr erfolgreichen Kurzzeitdenken geprägt. Nur der unmittelbare Erfolg zähle und werde mit Hormonausschüttung belohnt. Eibl-Eibesfeld: „Im übertragenen Sinne wären das die kurzfristigen Unternehmensgewinne, die langfristig auf Kosten der Umwelt gehen. Oder kurzfristige Massenentlassungen, die das soziale Klima im Unternehmen schädigen.“

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