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HVB drohen juristische Konsequenzen aus Verkauf der Bank Austria an Unicredit

Interne Dokumente legen Verdacht nahe, dass der HVB-Vorstand den Aufsichtsrat nicht ausreichend informierte

Der Münchener HypoVereinsbank (HVB) drohen möglicherweise schwerwiegende
juristische Konsequenzen aus dem Verkauf der ehemaligen Tochter Bank Austria an
die Konzernmutter Unicredit. Die Recherchen eines auf Druck von Kleinaktionären
eingesetzten „besonderen Vertreters“ legen den Verdacht nahe, dass die
HVB-Vorstände ihren Aufsichtsrat vor dem Verkauf nicht ausreichend informiert
haben. Das berichtet manager magazin in seiner neuesten Ausgabe
(Erscheinungstermin: 20. Dezember 2007).

Die HVB hatte im Oktober 2006 mit den Stimmen des Großaktionärs Unicredit
beschlossen, die Wiener Tochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) für rund
12,5 Milliarden Euro an die Konzernmutter in Mailand zu verkaufen. Diverse
Minderheitsaktionäre der HVB hatten diesen Preis als zu niedrig bezeichnet.

Insgesamt gingen vor Gericht rund 50 Klagen gegen den Verkauf ein. Die
Kleinaktionäre setzten zudem vor Gericht durch, dass der Bonner Rechtsanwalt
Thomas Heidel als „besonderer Vertreter“ der HVB interne Unterlagen zum Verkauf
der BA-CA einsehen durfte.

Diese Dokumente belegen unter anderem, dass die sogenannte „Fairness Opinion“
der Citigroup, die die Angemessenheit des Verkaufspreises bestätigen sollte,
einen expliziten Hinweis enthielt, dass die Citigroup nicht geprüft habe, ob
der Erwerber der BA-CA-Anteile eine Kontrollprämie zahlen müsste. Ein solcher
Zuschlag für einen Mehrheitserwerb wird beim Kauf am freien Markt häufig
gezahlt. Die von Heidel entdeckten Unterlagen belegen auch, dass Mitarbeiter
der HVB-Rechtsabteilung versucht hatten, die Citigroup zur Streichung der
entsprechenden Passage zu bewegen.

Ihrem Aufsichtsrat gegenüber führten die Vorstände der HVB die Fairness Opinion
als Beleg dafür an, dass der Verkaufspreis für die BA-CA-Anteile angemessen
sei. Die Stellungnahme der Citigroup wurde nach Heidels Recherchen aber im
Aufsichtsrat weder verteilt noch verlesen.

„Das Verhalten der HVB-Vorstände gegenüber ihrem Aufsichtsrat könnte ein Fall
für den Staatsanwalt sein“, sagte ein mit dem Fall vertrauter Jurist dem
manager magazin. Die HVB wollte den Sachverhalt mit Blick auf das laufende
Gerichtsverfahren nicht kommentieren, wies aber insbesondere den Vorwurf
zurück, Organe der Bank seien getäuscht worden.

Autor: Ulric Papendick
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