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Infineon-Sicherheitschef warnt vor Spitzeln in der Wirtschaft

Wolf-Rüdiger Moritz sieht „globales Wettrüsten" zwischen Unternehmen und Geheimdiensten / „Wer sich nicht verteidigt, wird im Wettbewerb verlieren"

Wolf-Rüdiger Moritz, Leiter der globalen Konzernsicherheit beim Chiphersteller Infineon, warnt deutsche Unternehmen vor den Abhöraktionen ausländischer Geheimdienste. „Das stellt eine reale Bedrohung dar", sagt Moritz im Interview mit dem manager magazin (Erscheinungstermin: 19. Juli). Es sei davon auszugehen, „dass in einigen Fällen gezielte Wirtschaftsspionage betrieben wird". Moritz arbeitete von 1987 bis 1999 beim Bundesnachrichtendienst (BND) in leitender Position im Bereich der Fernmeldeaufklärung.

Die kürzlich publik gewordenen Aktivitäten des US-Auslandsgeheimdienstes NSA sieht Moritz nur als Teil einer weltweiten Offensive. Sämtliche Auslandsnachrichtendienste, die technisch dazu in der Lage seien, bemühten sich um den Zugang zu geheimen Wirtschaftsdaten. Moritz spricht von einem „globalen Wettrüsten" zwischen Unternehmen und Geheimdiensten. „Wer sich nicht verteidigt", so der Infineon-Manager, „wird auf Dauer im Wettbewerb verlieren."

Die deutsche Wirtschaft sieht der Sicherheitsexperte nicht ausreichend vor Spionageakten geschützt. „Leider unterschätzen viele Unternehmen den Ernst der Lage: Sie wissen nicht einmal, dass sie abgehört werden", sagt Moritz. Unternehmen müssten dringend technisch aufrüsten, statt an ihren Sicherheitsbudgets zu sparen: „Das Problem betrifft häufig mittelständische Unternehmen, die wertvolle Patente besitzen, aber nicht über die Mittel oder das Wissen verfügen, sich adäquat zu schützen."

Autor: Simon Hage
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