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Langjähriger Nestlé-Chef Maucher übt harte Kritik an deutschen Managern: „Rücksichtslosigkeit und Gier“

Harsche Kritik an der heutigen Managergeneration hat Helmut Maucher, der langjährige Chef des Nestlé-Konzerns, geübt. „Es hat teilweise eine Rücksichtslosigkeit und Gier um sich gegriffen, die viel kaputtmacht“, sagte er in einem Interview mit dem manager magazin (Erscheinungstermin: 23. Juli 2004). „Wenn das Management keine ethische und moralische Verantwortung übernimmt, schadet es dem langfristigen Interesse des Unternehmens.“ Die Konzernlenker achteten zu sehr auf „kurzfristige Gewinnmaximierung“ und seien bereit, dafür das langfristig gewachsene Vertrauen zwischen Management, Mitarbeitern und Kunden aufs Spiel zu setzen.

„Gefordert sind insbesondere die Figuren an der Spitze – die Vorstandsvorsitzenden und CEOs. Von ihrem Verhalten geht eine enorme Signalwirkung aus“, so Maucher. Statt sich langfristig mit dem Unternehmen zu identifizieren und Loyalität zu empfinden, habe unter Managern ein „Wertezerfall“ um sich gegriffen: „Die langfristigen Folgen ihres Handelns sind ihnen egal. Sie versuchen, für sich selbst möglichst schnell möglichst viel Geld herauszuholen.“

In diesem Zusammenhang kritisierte der Ehrenpräsident des Nestlé-Verwaltungsrats die Exzesse bei den Managergehältern. Dass die hohen Vergütungen jetzt öffentlich thematisiert würden, sei „eine gute Entwicklung“. Denn: „Gegen Selbstbedienung hilft nur Transparenz.“ Maucher sprach sich dafür aus, „die Bezüge des Vorstandsvorsitzenden zu veröffentlichen. Damit setzt man eine für alle nachvollziehbare
Obergrenze, die Missbrauch vermeiden hilft.“

Mauchers Wohlwollen findet dagegen die derzeit von Unternehmen wie Siemens oder DaimlerChrysler verfolgte Taktik, Belegschaften einzelner Betriebe gegeneinander auszuspielen, um die Arbeitnehmervertreter zu Zugeständnissen zu bewegen. „Wenn es darum geht, überzogene Standards zu senken und wieder wettbewerbsfähig zu werden“, sei ein solches Handeln gerechtfertigt.

Autor: Henrik Müller
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