DER SPIEGEL

Lengsfeld nennt Hohmann Opfer einer inszenierten Treibjagd

CDU-Abgeordnete nimmt Ex-Kollegen in der „Jungen Freiheit“ in Schutz: „Wegen einer verunglückten Rede ist man noch kein Antisemit“

Berlin, 19. Dezember 2003
Der aus der CDU-Fraktion verbannte Martin Hohmann hat neue Rückendeckung erhalten. Der hessische Bundestagsabgeordnete sei ein „Opfer“, der Skandal um ihn eine „inszenierte Treibjagd“, sagte seine CDU-Kollegin Vera Lengsfeld in der „Jungen Freiheit“, wie SPIEGEL ONLINE berichtet. Das Blatt steht seit Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

In dem am Samstag erscheinenden Gespräch nimmt Vera Lengsfeld – Ex-SED-Mitglied, Ex-Grüne und nun CDU-Bundestagsabgeordnete – ihren ehemaligen Fraktionskollegen Hohmann in Schutz. Die CDU habe bei seinem Fraktionsausschluss einer Medien-Kampagne nachgegeben.

Wenn man sich, wie widerwillig auch immer, an einer inszenierten Treibjagd beteilige, müsse man auch sagen, warum „das Opfer eliminierungswürdig ist“, führte Lengsfeld aus. Die Abgeordnete, die versucht hatte, Hohmann zum freiwilligen Rückzug zu bewegen, und letztendlich für seinen Rauswurf stimmte, deutet an, die CDU hätte sich bei gründlicher und unvoreingenommener Exegese der „Tätervolk“-Rede womöglich gegen den Fraktionsausschluss ausgesprochen.

Die „Tätervolk“-Rede sei zwar unpassend und überflüssig gewesen, doch sei Hohmann „wegen einer verunglückten Rede noch kein Antisemit“, so Lengsfeld. Die Di-plomphilosophin kommt in dem rechts gewirkten Blatt zu dem Urteil, dass Hohmanns Rede zum Tag der Deutschen Einheit „eher provinzieller Natur“ gewesen und zu einer „Staatsaffäre aufgeblasen“ worden sei. Hohmann hatte bei der Ansprache in seiner Heimatstadt Neuhof unter anderem die Frage aufgeworfen, ob es „auch beim jüdischen Volk eine dunkle Seite in der neueren Geschichte“ gegeben habe.

Hohmann hätte nicht ausgeschlossen werden sollen, weil die Rede, die allgemein als antisemitisch bewertet wird, keinen Grund zum Ausschluss in sich berge, sagt Lengsfeld in dem Interview. Als Grund für seinen Rauswurf sei „reine Erregung, auch wenn wir uns im öffentlichen Diskurs daran gewöhnt haben, zu dürftig“.

„Die Auswirkung auf die Meinungsfreiheit ist nicht absehbar“, so Lengsfeld weiter. Die Union müsse dieser hysterischen Einengung der Meinungsvielfalt, der Stigmatisierung und Ausgrenzung konservativer Auffassungen entschlossen entgegentreten. „Schon deshalb gebe ich der 'Jungen Freiheit' ein Interview“, erklärt Lengsfeld. Sie kokettiert damit, dass sie nach der Definition von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse „somit rechtsextremistisch“ sei: „Weil für Herrn Thierse ein Rechtsradikaler in Deutschland nicht nur Anzug trägt, sondern auch 'Junge Freiheit' liest.“

Deutschland werde mit politisch-korrekten Verdikten autoritär überzogen, klagt Lengsfeld in dem Interview. „Wer sich diesen anmaßenden Vorgaben nicht beugt, wird aus der Gemeinschaft der 'Anständigen' ausgestoßen.“ Deshalb sollte man als Parlamentarier nur „mit aller Vorsicht“ ein Vorbild „demokratischer Haltung“ geben.

Der vollständige Text ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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