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Machtkampf in der Sony Deutschland GmbH

Manfred Gerdes soll Führung übernehmen / Nur noch repräsentative Aufgaben für Sony-Chef Wolfdieter Griess

In der Zentrale der Kölner Sony Deutschland GmbH ist ein Machtkampf entbrannt. Wie das in Hamburg erscheinende manager magazin in seiner Januar-Ausgabe (Erscheinungstermin: 17. Dezember 2004) berichtet, plant Europa-Chef Chris Deering zum 1. Februar 2005 ein Revirement an der Unternehmensspitze. Das operative Geschäft von Sony soll Manfred Gerdes übernehmen. Er leitet bislang den Verkauf der Sony-Spielkonsole Playstation in Deutschland. Der jetzige Sony-Chef Wolfdieter Griess soll bis Anfang 2006 im Amt bleiben, aber hauptsächlich repräsentative Verpflichtungen wahrnehmen.

Griess und die meisten anderen Sony-Manager sträuben sich gegen das Vorhaben des Europa-Chefs. Sie waren davon ausgegangen, dass Sony-Geschäftsführungsmitglied Jürgen Samuel die Nachfolge von Griess antritt. Samuel ist maßgeblich für die sich langsam abzeichnenden Sanierungserfolge bei Sony Deutschland verantwortlich. Setzt Europa-Lenker Deering seinen Favoriten Gerdes durch, droht in Köln ein Exodus. Die Entscheidung über die Toppersonalie steht noch aus. Gerdes’ Vertrag ist zwar bereits ausgefertigt, aber noch nicht unterschrieben.

Sony Deutschland ist seit drei Jahren schwer angeschlagen. Im Rahmen der Restrukturierung wurde im laufenden Jahr die Geschäftsführung verkleinert und fast die gesamte zweite Managementebene neu besetzt. So übernahm im Sommer Jürgen Schmitz den Bereich Finanzen. Anfang November kam Matthias Knisig als Vertriebsleiter nach Köln.

Auf Grund der Verluste, die Sony seit dem Geschäftsjahr 2002/2003 (das Geschäftsjahr endet im März) schreibt, stand das Unternehmen im Frühjahr 2004 fast vor der Pleite. Nur eine Kapitalerhöhung durch die japanische Mutter konnte die drohende Insolvenz abwenden. 2003/2004 machte die Firma einen Verlust von 50,6 Millionen Euro, im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Management mit einem Minus von rund 26 Millionen. Der Umsatz wird auf etwa 920 Millionen Euro sinken. Im Geschäftsjahr 2003/2004 lagen die Erlöse noch bei 1,02 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist der Sony-Marktanteil bei klassischer Unterhaltungselektronik um fast ein Fünftel gefallen.

Auf Grund der Sanierung des Unternehmens wird die Zahl der Beschäftigten von 900 (Anfang 2004) bis Ende März auf 580 sinken. Auch der pompöse Sony-Store am Potsdamer Platz in Berlin wird schrumpfen. Der Glitzerladen, der im letzten Geschäftsjahr ein Defizit von 2,7 Millionen Euro einfuhr, wird von vier auf zwei Stockwerke verkleinert.

Autorin: Ursula Schwarzer
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