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manager magazin 1/2015: Monte-dei-Paschi-Präsident Profumo: „Eine Schieflage der Bank wäre hochgefährlich“

Interview mit dem Hamburger manager magazin: „Dann bricht die EU auseinander.“

Der Verwaltungsratschef der krisengeschüttelten italienischen Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS), Alessandro Profumo, zweifelt daran, dass das Geldhaus auf Dauer eigenständig bleibt. „Ich denke, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist, für Gespräche mit möglichen Partnern offen zu sein“, sagte Profumo auf die Frage, ob MPS auch allein weitermachen könne. Im Gespräch mit dem Hamburger manager magazin (Erscheinungstermin: 19. Dezember) gab sich der Bankchef dennoch kämpferisch: „Wir werden nächstes Jahr bis zu 2,5 Milliarden Euro an neuen Finanzmitteln aufnehmen. Dafür haben wir bereits eine Garantie der Banken, die diese Transaktion vorbereiten“, sagte Profumo. Man warte jetzt nur noch auf die Genehmigung durch die EZB.

MPS, das älteste Geldinstitut der Welt, war beim Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) im Oktober 2014 durchgefallen. Die von der EZB diagnostizierte Kapitallücke von 2,1 Milliarden Euro war die mit Abstand größte im Stresstest. „Das große Problem von Monte dei Paschi ist das Kreditportfolio, darin stecken noch immer viel zu viele faule Darlehen“, sagte Profumo dem manager magazin. Immerhin sei es gelungen, die Bank zu stabilisieren, so Profumo weiter, und das sei bereits eine ganze Menge. „Wir sind das drittgrößte Kreditinstitut Italiens, die Schieflage einer Bank dieser Dimensionen wäre hochgefährlich für das gesamte europäische Finanzsystem.“

Das im Stresstest unterstellte Szenario, nach dem die italienische Wirtschaft bis 2016 um 11 Prozent einbricht, hält der Bankchef, der bis 2010 die italienische Großbank Unicredit leitete, für übertrieben. „Wenn das wirklich so einträfe, dann hätten wir schon bald ganz andere Sorgen als die Kapitalausstattung unserer Banken“, sagte Profumo. „Dann bricht die EU auseinander.“

Mit Blick auf die Krise seines Heimatlandes sagte Profumo, er wünsche sich von den europäischen Nachbarn mehr Hilfsbereitschaft: „Natürlich muss jedes Land seine Hausaufgaben machen, wie Frau Merkel es nennt. Aber etwas mehr Solidarität würde ich mir schon wünschen. Das ist in unser aller Interesse.“

Großes Lob fand der Banker hingegen für die Arbeit seines Landsmanns, EZB-Chef Mario Draghi: „Wir können uns bei ihm bedanken, dass es die Europäische Union und den Euro in dieser Form noch gibt“, sagte Profumo. Um die Wirtschaft Europas wieder anzukurbeln, reichten Draghis Maßnahmen allerdings nicht aus.

Autor: Ulric Papendick
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