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manager magazin 10/2015: Wirtschaftselite öffnet sich

Deutschlands Vorstände sind offener für soziale Aufsteiger, als es das Vorurteil will. Das zeigt eine aufwendige Studie der privaten Hochschule WHU in Vallendar.

Die Vorstandsebenen in deutschen Unternehmen sind keine geschlossenen Clubs mehr, in die nur Einlass findet, wer aus dem Großbürgertum kommt. Eine Studie von manager magazin und der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar zeigt: Zwar kommt die Mehrheit der Vorstände aus dem Bürger- und Großbürgertum (35 und 22 Prozent). Doch immerhin 14 Prozent der Topführungskräfte stammen aus Elternhäusern der Arbeiterklasse und 29 Prozent aus den Mittelschichten. „Das Bild der Abschottung relativiert sich“, sagt WHU-Professor Utz Schäffer. „Die Vorstände als Ganzes zeigen ähnliche Herkunftsmuster wie andere gesellschaftliche Eliten, etwa in Justiz und Verwaltung.“ In seiner aktuellen Ausgabe (Erscheinungstermin: 18. September) veröffentlicht manager magazin die Ergebnisse.

Für die Studie kumulierten die WHU-Forscher die öffentlichen Daten der Vorstände von Dax, M-Dax, Tec-Dax und den wichtigsten nicht börsennotierten Unternehmen – insgesamt 633 Topmanager in 138 Unternehmen. Zusätzlich wurden die Vorstände zwischen Oktober 2014 und Mai 2015 zu ihrer sozialen Herkunft, Ausbildung und Aufstiegswegen befragt. 116 Manager in 70 Unternehmen füllten den Fragebogen aus.

Die Studie zeigt: Der Aufstieg von unten nach ganz oben ist möglich – allerdings für die Führungskräfte aus mittleren und unteren Gesellschaftsschichten ist er deutlich beschwerlicher. Waren Manager aus dem Großbürgertum zum Zeitpunkt ihrer Berufung zum Vorstand im Schnitt seit 6,3 Jahren im Unternehmen, dauerte es bei ihren Kollegen aus der Arbeiterklasse mit 12,6 Jahren doppelt so lange.

Trotz unterschiedlichen sozialen Hintergrunds bilden deutsche Vorstände eine recht homogene Gruppe: Der durchschnittliche Respondent in der Studie ist männlich (95 Prozent), 52,4 Jahre alt, verheiratet (91 Prozent) und hat 2,3 Kinder. Mehr als die Hälfte hat ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert, 39 Prozent haben promoviert.

Besonders auffällig ist der frühe Drang zur Verantwortung: Gut 57 Prozent der befragten Vorstände engagierten sich als Klassen- oder Jahrgangssprecher.

Autor: Klaus Werle
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