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manager magazin 4/2014: Siemens will Hierarchieebenen streichen

Industriekonzern legt voraussichtlich Sektoren und Divisionen zusammen / Neuer Nebenjob für Siemens-Chefkontrolleur Cromme

Europas größter Industriekonzern Siemens will im Rahmen seiner Neuordnung Hierarchieebenen streichen. Eine der beiden obersten Führungsebenen, Sektoren und Divisionen, werde mit großer Sicherheit wegfallen, berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstermin: 21.03.) unter Berufung auf Siemens-Aufsichtsratskreise. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser will spätestens Anfang Mai eine neue Strategie präsentieren, mit der Siemens den Verlust von Marktanteilen stoppen und die Ertragslücke zu großen Rivalen wie General Electric oder ABB schließen soll. Schon seit Monaten arbeiten die Vorstände um Kaeser an einer neuen Struktur für den Konzern. Inzwischen zeichnen sich laut manager magazin erste Eckpfeiler der neuen Struktur ab. Diskutiert wird eine Stückelung der Wertschöpfungskette in sechs bis sieben Bereiche, von der Stromerzeugung bis zu Sparten wie Gebäudetechnik, Industrieautomatisierung oder Medizintechnik. Debattiert wird Siemens-Kreisen zufolge außerdem darüber, die Entwicklung von Softwareplattformen über alle Geschäfte in einer Querschnittsfunktion zuzusammenfassen.

Dies würde zu Kaesers Aussagen auf der Hauptversammlung im Januar passen: Der Vorstandschef hatte angekündigt, Siemens werde sich "in seiner Struktur"“ auf seine Wertschöpfungskette der Elektrifizierung, auf die Automatisierung und die über alle Sparten hinweg immer wichtigere Digitalisierung konzentrieren.

Ein Siemens-Sprecher lehnte jeden Kommentar ab.

Durch flachere Hierarchien will Kaeser erreichen, dass Führungskräfte wieder stärker Verantwortung übernehmen und Probleme bei Großprojekten früher im Vorstand ankommen. In den vergangenen sieben Jahren hatten Siemens im Schnitt 700 Millionen Euro Sonderbelastungen pro Jahr die Ergebnisrechnung verhagelt. Im Herbst war in der Regionalorganisation bereits eine Hierarchieebene, die regionalen Cluster, gestrichen worden.

Von der Organisation, die einst Kaesers Vorgänger Peter Löscher geschaffen hat, wird damit voraussichtlich nicht allzu viel übrig bleiben. Aktuell ist der weitverzweigte Konzern in die vier Sektoren Energie, Industrie, Infrastruktur & Städte und Medizintechnik sowie 16 darunter angesiedelte Divisionen gegliedert.

Wie aus Siemens-Kreisen weiter verlautet, wird Kaeser Anfang Mai voraussichtlich noch kein umfangreiches Verkaufsprogramm verkünden. Die hoch profitable Medizintechnik bleibe im Konzern, inklusive der einst akquirierten Labordiagnostik. Lediglich für kleinere Geschäfte wie die Mikrobiologie werde ein Käufer gesucht.

Derweil steht Siemens-Chefkontrolleur Gerhard Cromme vor der Übernahme eines neuen, reputierlichen Postens: Cromme will sich im Juni zum Vorsitzenden des Kuratoriums der Münchener Glyptothek wählen lassen, einer Sammlung antiker Skulpturen des Freistaats Bayern. Cromme würde dort Karl-Hermann Baumann (78) nachfolgen. Baumann, der bis 2005 Siemens-Aufsichtsratschef war, gibt den Kuratoriumsvorsitz nach 15 Jahren ab.

Ansprechpartner: Angela Maier
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Hamburg, 19. März 2014

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