manager magazin

manager magazin 5/2015: manager-magazin-Kunstindex zeigt Spekulationsmanie bei Gegenwartskunst

Analyse der Marktdaten mit alarmierendem Ergebnis – Ökonom warnt vor Crashgefahr

Bei Gegenwartskunst entsteht eine gefährliche Spekulationsblase. „Die Preise für Contemporary Art haben einen kritischen Wert überschritten. Es herrscht eine Spekulationsmanie, auf die in der Vergangenheit meist ein Crash folgte“, sagt Roman Kräussl, Finanzmarktökonom an der Luxembourg School of Finance und Autor des manager-magazin-Kunstindex (Erscheinungstermin: 24. April). „Wenn es bei den großen New Yorker Auktionen im Mai oder im November einen Preisrutsch gibt, sollte niemand überrascht sein“, warnt der Kunstmarktexperte. Seit 1985 seien die Kunstpreise nur zwei Mal so extrem gestiegen: Beim von japanischen Sammlern befeuerten Boom bis zum Crash 1990 und in den Jahren bis zur Finanzkrise 2008, die auch am Kunstmarkt für Preiseinbrüche sorgte. Seitdem haben sich die Preise für Gegenwartskunst nicht nur erholt, sondern erneut ein gefährliches Niveau erreicht. Der mm-Kunstindex von Roman Kräussl ist die umfangreichste verfügbare Analyse des Kunstmarkts und basiert auf fünf Millionen Verkaufsdaten von 700 Auktionshäusern.

Waren es bis zur Jahrtausendwende vor allem Impressionisten und Werke der Moderne, die für Preisschübe sorgten, sind es seither Nachkriegs- und Gegenwartskünstler. Das belegt die Rangliste der 50 gefragtesten Künstler seit 1970. Angeführt wird die Liste von Pablo Picasso, Andy Warhol, Claude Monet, Francis Bacon und Pierre-Auguste Renoir. Bereits auf Platz 6 taucht Gerhard Richter als erster lebender Künstler auf.

Der größte Preisanstieg konzentriert sich auf drei Dutzend Nachkriegs- und Gegenwartskünstler. Sie vervielfachen ihren Wert, der Gesamtmarkt für Kunst bringt dagegen keine Rendite. Wer zur Jahrtausendwende 100 000 Dollar in einen Index der meistgehandelten „Top 50 Postwar- und Contemporary“-Künstler gesteckt hätte, hätte seinen Einsatz nahezu versechsfacht. Bei einem „Art All Index“ wären aus 100 000 Dollar nach 15 Jahren nur 163 000 Dollar geworden. Die reale jährliche Nettorendite (nach Kosten und Inflation): Null.

Die Spekulationsmanie beschränkt sich auf ein kleines Topsegment. Werke, die teurer sind als eine Million Dollar, machen gerade einmal 0,4 Prozent der globalen Transaktionszahl aus, 81 Prozent kommen für weniger als 5000 Dollar unter den Hammer. Das Topsegment stellt aber einen beträchtlichen Teil des Marktvolumens.

Autor: Mark Böschen
Telefon: 0 40/30 80 05-74

manager magazin
Chefredaktion
Kirsten Krokowski
Telefon: 040 308005-83
E-Mail: kirsten_krokowski@manager-magazin.de

Weitere Pressemeldungen