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manager magazin 7/2015: Neuer Deutsche-Bank-Chef nimmt Sparten stärker in die Pflicht

John Cryan soll "groteske Zentralisierung" des Konzerns beenden / Strategiemanager Fabrizio Campelli mit Chancen auf Vorstandsposten

Um die Sparziele des Konzerns zu erreichen, will der designierte Deutsche-Bank-Chef John Cryan (54) die Geschäftssparten stärker in die Verantwortung nehmen. Eines seiner wichtigsten Ziele sei es, die "teils groteske Zentralisierung" zu beenden, berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstermin: 19. Juni). Daher könne es länger dauern, bis der Konzern mit Details zum angekündigten Sparprogramm aufwartet.

Ende April hatten die scheidenden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen bekannt gegeben, durch Filialschließungen, Effizienzsteigerungen und den Rückzug aus unprofitablen Bereichen zusätzlich zu den bislang veranschlagten 4,5 Milliarden Euro weitere 3,5 Milliarden Euro einzusparen. Details wollten sie spätestens 90 Tage später nennen, also bis Ende Juli.

Durch den Machtwechsel – Jain wird zum 1. Juli durch Cryan ersetzt, Fitschen bleibt noch bis Mai 2016 an Bord – könnte eine Verschiebung notwendig sein. Komplett überholen will Cryan das Programm nicht; in seiner bisherigen Funktion als Aufsichtsrat hat er es schließlich mit abgesegnet.

Die Feinarbeit überlässt er vor allem Fabrizio Campelli (42), im erweiterten Vorstand für Strategie zuständig, sowie Henry Ritchotte (51), Digitalvorstand und Chief Operating Officer (COO). Reüssieren die beiden, könnte das personelle Folgen im Vorstand haben: Campelli hätte dann beste Chancen, als neuer COO in den Kernvorstand einzuziehen, Ritchotte wiederum könnte sich voll auf das Megathema Digitalisierung konzentrieren.

Auch der Posten des Rechtsvorstands soll so rasch wie möglich neu besetzt werden. Amtsinhaber Christian Sewing will sich auf seine eigentliche Hauptaufgabe konzentrieren und die Sparte für Privat- und mittelständische Firmenkunden PBC umbauen. Zu PBC gehört derzeit noch die Postbank, von der sich der Konzern allerdings bis spätestens Ende 2016 trennen will.

Chancen auf den Job des Rechtsvorstands haben Nadine Faruque, im erweiterten Vorstand Generalbevollmächtigte für die Einhaltung der Rechtsvorschriften (Compliance), sowie Markus Diethelm, in dieser Funktion für die UBS tätig. Er gilt als Vertrauter von Cryan, zögert aber mit einem Wechsel. Faruque wiederum muss sich erst einmal eine zeitlang als Generalbevollmächtigte beweisen. Das verlangt die Finanzaufsicht Bafin, die jeden Vorstand auf Eignung und Erfahrung im Tagesgeschäft prüfen muss.
Autor: Tim Bartz
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