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manager magazin 9/2016: „Etwas mehr Forschheit würde uns schon guttun.“

Der scheidende Nestlé-Chef Paul Bulcke benennt im Interview die Erwartungen an den künftigen CEO Ulf Schneider

Paul Bulcke, der scheidende Vorstandsvorsitzende und künftige Chairman des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé, hat erstmals die Erwartungen an seinen Nachfolger Ulf Schneider formuliert. Im Interview mit dem manager magazin (Erscheinungstermin: 19. August) fordert Bulcke von Ex-Fresenius-Chef Schneider, Nestlé umzubauen. Das Unternehmen müsse auf die Veränderungen der Märkte „schneller reagieren als bislang und das Portfolio anpassen“.

Während seiner Amtszeit hat Bulcke damit begonnen, die Komplexität des Konzerns zu reduzieren; er senkte die Zahl der Einzelartikel von 125 000 auf 77 000. Schneider obliegt es, die Angebotsvielfalt weiter auszudünnen. „Wenn eine Produktlinie keine Zukunft mehr hat oder nicht für den gesamten Weltmarkt relevant ist, dann stellen wir sie eben ein.“

Zu den Aufgaben Schneiders, der am 1. September in den Nestlé-Vorstand einzieht und Anfang Januar den Vorsitz übernimmt, gehört es, die Dezentralisierung zurückzufahren. „Wir müssen mehr Synergieeffekte nutzen und Skalenvorteile stärker realisieren“, verlangt Bulcke. Im Personalwesen, der Lohnbuchhaltung oder im Einkauf sollen gemeinsame Standards zur Effizienzsteigerung beitragen, und auch „bei der Entwicklung neuer Produkte wollen wir verstärkt global zusammenarbeiten“, betont er. Zudem soll der neue CEO mehr Dynamik in den Konzern bringen. „Etwas mehr Forschheit würde uns schon guttun“, so Bulcke. „Man muss das Unternehmen ab und zu wachrütteln, sonst wird die Organisation selbstzufrieden und satt.“

Ein Grund für die Berufung Schneiders ist die Erfahrung, die er vom Gesundheitskonzern Fresenius mitbringt. Mit seiner langjährigen Expertise soll er die strategische Ausrichtung von Nestlé auf gesundheitsfördernde Nahrungsmittel vorantreiben. „Wir wollen in den kommenden Jahren weltweit deutlich schneller wachsen als unsere Konkurrenten“, sagt Bulcke.

Autorin: Ursula Schwarzer
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