DER SPIEGEL

Marek Dutschke: „Die Grünen müssen wachgerüttelt werden“

Bundestagskandidat rechnet mit Wahlniederlage / Partei habe sich in der
Regierung von SPD einlullen lassen / „Neuausrichtung mit neuen Leuten“

Berlin, 17. Juni 2005 – Marek Dutschke, der Sohn des 1979 verstorbenen
Studentenführers Rudi Dutschke, hat zwei Tage vor dem entscheidenden
Listenparteitag der Berliner Grünen scharfe Kritik an seiner Partei geübt. „Die
Grünen müssen aus dem Schlaf der Regierungsjahre wachgerüttelt werden“, sagte
der 25-Jährige im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Sechseinhalb Jahre lang habe
sich die Partei vom Koalitionspartner SPD „einlullen“ lassen.

Dutschke zeigte sich überzeugt, dass Rot-Grün die Wahlen verlieren wird: „In
der nächsten Bundestagsfraktion der Grünen, die sich ohne Zweifel in der
Opposition wiederfinden wird, wird es auf einmal sehr viele Häuptlinge geben,
die früher in den Ministerien zu Hause waren. Da wird es darauf ankommen, eine
thematische Neuausrichtung mit neuen Leuten einzuleiten“, sagte er SPIEGEL
ONLINE.

Dutschke will sich am kommenden Sonntag beim Listenparteitag der Berliner
Grünen um den als sicher geltenden zweiten Platz bewerben. „Ich weiß, dass es
ein harter Kampf wird“, sagte er mit Bezug auf seine beiden mutmaßlichen
Konkurrenten um diesen Platz, den Bundestagsabgeordneten Werner Schulz und den
Landespolitiker Wolfgang Wieland.

In dem Interview verwahrte Dutschke sich zudem gegen Unterstellungen, er
kokettiere mit dem berühmten Namen seines Vaters: „Was soll denn diese Kritik
bedeuten – etwa, dass meine Existenz nicht wünschenswert ist? Das finde ich
unfair.“ Die häufigen Fragen wegen seines bekannten Vaters nervten ihn,
erklärte Dutschke weiter, „vor allem, wenn die Frage lautet: Was würde Rudi
heute machen? Wäre Rudi heute bei den Grünen? Woher soll ich das wissen? Ich
kenne ihn auch nur aus Erzählungen.“

Rudi Dutschke starb 1979 an den Folgen eines Attentats. Marek Dutschke war zu
diesem Zeitpunkt noch nicht geboren.

Das vollständige Interview ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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