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Neue Vorwürfe gegen Marseille-Kliniken

AOK prüft, ob Pflegeleistungen falsch abgerechnet wurden

Der Marseille-Kliniken AG (MKAG) droht Ärger mit der AOK Sachsen-Anhalt. Wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe (erscheint am 20. April) berichtet, will die Krankenkasse eine Untersuchung bei deren Tochterunternehmen Allgemeine Dienstleistungsgesellschaft (ADG) in Halle einleiten. Die Kasse nimmt dabei Hinweise, dass in der Katharinen Wohnanlage der ADG seit Jahren Pflegeleistungen falsch abgerechnet worden sein sollen, zum Anlass für eine Prüfung der Sachlage. Die MKAG bestreitet die Vorwürfe.

Im Kern geht es bei der Untersuchung laut manager magazin vorliegenden Unterlagen darum, dass angelernte Hilfskräfte vielfach Aufgaben von ausgebildeten Pflegefachkräften übernommen haben sollen. Demnach sollen die Hilfskräfte Medikamente verabreicht oder Kompressionsstrümpfe an- und ausgezogen haben. Diese Pflegedienste sollen dann mutmaßlich von den Fachkräften so abgezeichnet worden sein, als hätten sie selbst die Arbeiten ausgeführt. Durch die vermeintliche Praxis könnte die ADG pro Jahr nach internen Schätzungen bis zu mehreren Hundertausend Euro zu viel von Krankenkassen und öffentlicher Hand kassiert haben.

Die MKAG hält dem entgegen, es bestünden Rahmenvereinbarungen mit den Kassen, nach denen für die verschiedenen Pflegeleistungen Pauschalsätze gezahlt würden, egal ob sie von einer Fach- oder Hilfskraft ausgeführt würden. Auch gebe es keine verbindlichen gesetzlichen Regelungen, von wem die strittigen Tätigkeiten ausgeübt werden dürften.

Die AOK Sachsen-Anhalt sieht dies jedoch anders: Leistungen der medizinischen Behandlungspflege dürften grundsätzlich nur von examinierten Fachkräften erbracht und abgezeichnet werden. Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der MKAG, Stefan Herzberg, hatte offenbar Zweifel an der angeblichen Vorgehensweise. Er hatte im vergangenen Sommer eine Untersuchung wegen Unregelmäßigkeiten bei der Dokumentation von Fachkrafttätigkeiten eingeleitet. Auch die interne Revision wollte damals prüfen lassen, wie viel die MKAG maximal den Kassen zurückzahlen müsste, sollten sich die Vorwürfe erhärten.

Autorin: Eva Müller
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