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Neuer Bertelsmann-Chef steuert Konzern um

Übernahme von Harper Collins angestrebt, Verkauf der Klub- und Musikgeschäfte geplant / Gewaltiger Abschreibungsbedarf in den USA

Die Bertelsmann AG, Gütersloh, strebt die Übernahme der amerikanischen
Buchverlagsgruppe Harper Collins, New York, an. Dies berichtet das manager
magazin in seiner am 20. Dezember erscheinenden Ausgabe. Wie es heißt, sei
Bertelsmann bereit, rund eine Milliarde Dollar für das Verlagshaus zu bezahlen,
das zur News Corporation (Rupert Murdoch) gehört und vor allem in den Sparten
Lehrbuch (Wörterbücher) und Wissenschaft über eine starke internationale
Marktstellung verfügt. Murdoch verlange jedoch bis zu zwei Milliarden Dollar
für Harper Collins.

Schon im Frühjahr hatte die Bertelsmann AG ihr Interesse an einem Engagement im
wachstumsstarken Sektor der Lehrbuchverlage und Finanzinformationen angemeldet.
Dem manager magazin sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen
(65): „Wenn man sich bei Wissenschaftsverlagen engagiert, sollte man dies in
großem Stil tun. Unternehmen wie Thomson Learning, für das wir mitgeboten
hatten, kommen immer wieder auf den Markt. Wenn man groß einsteigen kann, kommt
es auf ein Jahr des Wartens nicht an.“

Wie das manager magazin berichtet, plant Thielens Nachfolger Hartmut Ostrowski
(49), der Anfang Januar die Bertelsmann-Führung übernimmt, weitere massive
Eingriffe ins Portfolio, um dem Unternehmen neue Wachstumsimpulse zu verleihen.
So will sich der Konzern aus dem seit Jahren schwierigen Buch- und
Musikklubgeschäft zurückziehen. Desaströs ist offenbar die Lage des
amerikanischen CD- und Buchversenders Columbia House, dessen Umsätze
einbrechen. Weil außerdem die Kosten für die Integration mit dem Buchklub
Bookspan mit über 60 Millionen Dollar höher ausfielen als geplant, sei ein
Abschreibungsbedarf von schlimmstenfalls rund 300 Millionen Euro nicht
ausgeschlossen. Das Bankhaus Morgan Stanley in London, so das manager magazin,
„sucht bereits nach Interessenten für die Fehleinkäufe“.

Ebenfalls trennen will sich Bertelsmann von der 50-Prozent-Beteiligung an Sony
BMG. Der zweitgrößte Musikkonzern der Welt wird 2007 einen Umsatzrückgang von
vermutlich rund 300 Millionen Dollar verbuchen, bei einer allerdings gegenüber
dem Vorjahr auf knapp 10 Prozent verbesserten Umsatzrendite. J. P. Morgan wurde
von Bertelsmann beauftragt, den Wert der Beteiligung zu ermitteln. Als
wahrscheinlicher Käufer gilt Sony.

Auch die Beteiligung am Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr („Stern“,
„Brigitte“), das Bertelsmann mit der Familie Jahr (25,1 Prozent) betreibt,
könnte schon bald zur Disposition stehen. Bertelsmann will sich aus dem
wachstumsschwachen Zeitschriftengeschäft zurückziehen. Verhandelt über einen
Ausstieg würde noch nicht, allerdings seien Banken mit einer Evaluierung von
G+J beauftragt worden. Für die Jahr-Familie, die über ein Vorkaufsrecht
verfügt, hat die Investmentbank Bear Stearns den Wert des Zeitschriftenmultis
errechnet (drei Milliarden Euro) und eine Übernahme der Bertelsmann-Anteile für
möglich erklärt. Als Finanzpartner schlug das Bankhaus private Investoren vor,
genannt wurden unter anderen die Familie Quandt (BMW) und die Strüngmann-Brüder
(früher Hexal).

Autor: Klaus Boldt
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