DER SPIEGEL

Rhön-Klinikum-Chef: Rekordzahl von Trägern will Krankenhäuser privatisieren

Angesichts der Finanznöte im Gesundheitssystem beobachtet der größte börsennotierte Krankenhauskonzern Deutschlands, die Rhön-Klinikum AG, eine gestiegene Neigung vom Verkauf von Krankenhäusern. "Viele Träger ringen sich jetzt zur Privatisierung durch", sagte der Vorstandsvorsitzende, Eugen Münch, im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Derzeit seien so viele öffentliche oder freigemeinnützige Krankenhäuser als Übernahmekandidaten im Gespräch wie nie zuvor. Rhön-Klinikum wolle die Zahl der Übernahmen generell noch weiter steigern, wird Münch zitiert. Pro Jahr strebe der Konzern, der zuletzt 28 Kliniken an 17 Standorten betrieb, ein Wachstum um 800 bis 1000 Betten an.

Mit der Zahl wachse aber auch der Anteil der Kaufangebote, die Rhön-Klinikum ablehne. Meist klafften die Interessen der möglichen Verkäufer und die des Klinikkonzerns in den Verhandlungen deutlich auseinander. Die Träger wollten "nicht nur alle Arbeitsplätze erhalten, sondern jeden einzelnen exakt so, wie er ist", sagte Münch dem Bericht zufolge: "Würden wir das zusagen, dürften wir hinterher nicht mal Stühle verrücken." Er hoffe, dass der Preis für Krankenhäuser mit dem wachsenden Angebot fallen werde.

Ab 2003, wenn die ersten Häuser von der Vergütung nach Tagessätzen auf Fallpauschalen umstellen, erwartet Münch ein beschleunigtes Kliniksterben. Weil die durchschnittliche Liegezeit von Klinikpatienten sinken werde, würden Betten frei. Die Krankenhäuser müssten deshalb vermehrt um Patienten konkurrieren und dafür investieren. "Wer das nicht kann, den wird es erwischen", zitiert SPIEGEL ONLINE den Rhön-Chef.

Die Sparbeschlüsse der Bundesregierung werden nach Münchs Worten auch die Rhön-Klinikum AG deutlich belasten. Wenn die "Nullrunde" der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) so greife, wie sie geplant sei, müsse Rhön-Klinikum im schlimmsten Fall zehn bis 15 Millionen Euro an jährlichen Kosten einsparen. Die Klinikgruppe wolle deshalb keine neuen Stellen mehr schaffen und nur noch in Ausnahmen mehr Patienten aufnehmen, als vom Budget gedeckt seien. Dadurch würden zwar die Wartelisten länger. Rhön-Klinikum könne aber "den Anzug nicht weiter dehnen, nur, um es allen Recht zu machen".

Der vollständige Text ist unter www.spiegel.de abrufbar.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Matthias Streitz, Telefon: 040/38080-268, E-Mail: Matthias_Streitz@spiegel.de

Kommunikation
Birgit Seitz
Telefon: 040/3007-3036
E-Mail: Birgit_Seitz@spiegel.de

Weitere Pressemeldungen

Alle Leserinnen und Leser können sich im Oktober auf eine vielseitige Literaturberichterstattung beim SPIEGEL freuen. Der digitale SPIEGEL präsentiert…
Mehr lesen