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Rothschild-Chef Higgins: „Es geht um unsere Moral“

Investmentbanker plädiert für Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken

Der Vorstandschef der Investmentbank Rothschild, der Brite Nigel Higgins (49),
tritt dafür ein, Geschäfts- und Investmentbanken per Gesetz voneinander zu
trennen. Mit Blick auf die aktuelle Klage der amerikanischen Finanzaufsicht SEC
gegen die Investmentbank Goldman Sachs sagte Higgins im Interview mit dem
manager magazin (Erscheinungstermin: 21. Mai 2010): „Solange eine Bank
Geschäfte mit einem solchen Konfliktpotenzial unter einem Dach vereint, wird
immer der Verdacht bleiben, sie könnte ihre eigenen Interessen über die ihrer
Kunden stellen.“ Deshalb stelle sich die Frage, „ob eine Bank Unternehmen oder
auch Staaten mit Dienstleistungen wie der Vergabe von Krediten zur Verfügung
stehen sollte, wenn sie gleichzeitig auf eigene Rechnung Wertpapiere am
Kapitalmarkt handelt“.

Goldman Sachs wird von der SEC beschuldigt, Kunden gebündelte amerikanische
Immobilienkredite verkauft zu haben, ohne sie darüber aufzuklären, dass
zugleich andere Geschäftspartner der Bank auf einen Absturz des
US-Häusermarktes wetteten. Zu den betroffenen Kunden gehörte auch die
Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die Mitte 2007 in Folge der Finanzkrise
beinahe zusammenbrach. Mittlerweile ermitteln die US-Behörden wegen ähnlicher
Vorwürfe auch gegen weitere große Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank.

Für Rothschild-Chef Higgins ist der Rechtsstreit „ein Symbol für den tiefer
liegenden Konflikt, der sich dahinter verbirgt. Es geht um das
Selbstverständnis unserer Branche, es geht um unsere Moral, um die ethischen
Grundsätze unseres Gewerbes – und nicht zuletzt auch um das Vertrauen in die
Integrität von Institutionen und Individuen.“

Vor diesem Hintergrund seien die aktuellen Diskussionen über eine Trennung von
Geschäfts- und Investmentbanken zu sehen: „Man hätte dann auf der einen Seite
streng regulierte und staatlich geschützte Geldhäuser. Sie würden sich auf
volkswirtschaftlich als nützlich erachtete Aktivitäten konzentrieren, während
ihnen gewisse riskante Geschäfte verboten wären“, sagte Higgins. „Auf der
anderen Seite stünden die Investmentbanken, die keine traditionellen
Bankdienstleistungen anbieten würden. Solche Institute könnten weiterhin nach
Belieben an den Kapitalmärkten agieren, für sie würde aber niemand einspringen,
sollten sie sich verspekulieren.“

Auch die großen Kunden der Banken würden auf eine solche Aufspaltung drängen,
sagte Higgins weiter. „Viele merken ganz einfach, dass einige Banken ihr Geld
im Wesentlichen damit verdienen, dass sie ihre eigenen Interessen verfolgen.
Und nicht mit der Beratung der Kundschaft.“

Autor: Ulric Papendick
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