DER SPIEGEL

Soll und Haben 6: Sicherheitsaspekte überwiegen bei der Entscheidung für eine Geldanlage

Nur noch 6 Prozent Aktionäre / 60 Prozent der Deutschen blicken der Zukunft der Gesellschaft pessimistisch entgegen / 72 Prozent sehen das Rentensystem vor dem Zusammenbruch – 91 Prozent halten private Vorsorge für notwendig / Konservative Anlageformen dominieren / Ergebnisse der umfassendsten deutschen Markt-/Mediastudie zum Bereich der Finanzdienstleistungen

Zum sechsten Mal legen der SPIEGEL-Verlag und der manager magazin Verlag die Studie „Soll und Haben“ vor. Jörg Keimer, Leiter Anzeigenmarketing des SPIEGEL-Verlags: „Das ist die umfassendste deutsche Markt-/Mediastudie zum Bereich Finanzdienstleistungen, in den jährlich rund eine Milliarde Euro Werbegelder investiert werden.“

Seit dem Börsencrash im Jahr 2000 mindert die schwierige nationale und internationale wirtschaftliche Lage die Konsumfreude der Deutschen – es wurde weniger investiert und mehr gespart. Das Geldvermögen aller Bundesbürger beträgt im Jahr 2004 vier Billionen Euro, so viel wie nie zuvor. 60 Prozent der Bevölkerung blicken der gesellschaftlichen Zukunft pessimistisch entgegen, bei der vergangenen Studie (2000) waren es nur 38 Prozent. Sicherheitsdenken spielt beim Sparen eine ausgeprägte Rolle: 87 Prozent sparen für die langfristige Absicherung der Zukunft, 86 Prozent zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards und 94 Prozent sparen mit dem Ziel, Rücklagen in Notfällen zu haben. Gerade 14 Prozent der Deutschen schätzen ihre finanzielle Lage optimistisch ein (gegenüber 21 Prozent im Jahr 2000).

Obwohl es als Anlageform zunehmend an Attraktivität verliert, besitzen noch 60 Prozent der Deutschen ein Sparbuch, im Jahr 2000 waren es 70 Prozent. Weit verbreitet ist das Sparbuch vor allem bei den unter 30-Jährigen, bedingt durch das geringe Kapitalvermögen in dieser Altergruppe. Bei den 30- bis 49-Jährigen besitzt nur etwas mehr als die Hälfte ein Sparbuch. Wegen des historisch niedrigen Zinsniveaus verlieren auch andere festverzinsliche Anlagen an Bedeutung. Die Anzahl der Wertpapierbesitzer ist dagegen weiter gestiegen: 24 Prozent der Bevölkerung haben Investmentanteile, Aktien, festverzinsliche Wertpapiere oder Sparbriefe.

Gerade 6 Prozent der Bevölkerung zählen sich zu den Aktionären, 2000 war es noch ein Zehntel. 79 Prozent der Bevölkerung hat bei Geldanlagen in Aktien Angst vor großen Verlusten. 41 Prozent halten derzeit die Aktie für eine nicht vorteilhafte Geldanlage. Insgesamt dominieren in allen Altersgruppen die konservativen Anlageformen. Die Lebensversicherung und die selbst genutzte Immobilie verlieren als Altersvorsorge langsam an Bedeutung.

Bei der Entscheidung für eine Geldanlage überwiegen Sicherheitsaspekte. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat sich in drei Bereichen ein Wandel vollzogen:
1) Das Misstrauen gegenüber Ratgebern wächst: Nur 42 Prozent finden es bei der idealen Geldanlage wichtig oder ziemlich wichtig, dass sie der Steuerberater empfiehlt (gegenüber 49 Prozent im Jahr 2000), nur noch 55 Prozent achten auf die guten Erfahrungen von Freunden oder Bekannten (gegenüber 60 Prozent im Jahre 2000). Die Hausbank überstand die Ratgeber-Erosion dagegen relativ unbeschadet: 68 Prozent finden die Empfehlung der Hausbank „sehr wichtig/ziemlich wichtig“ (69 Prozent im Jahre 2000).
2) Nur noch 58 Prozent finden bei der idealen Geldanlage eine staatliche Förderung sehr wichtig oder ziemlich wichtig (63 Prozent im Jahr 2000), 47 Prozent finden die steuerliche Absetzbarkeit von Verlusten „wichtig oder ziemlich wichtig“ (53 Prozent im Jahre 2000).
3) 30 Prozent finden es bei Anlagen „sehr wichtig oder ziemlich wichtig“, dass man sie vom Telefon aus steuern kann. 2000 waren es 21 Prozent.

Standen in den vergangenen „Soll und Haben“-Studien noch Fragen nach der Technikakzeptanz im Vordergrund, so zeigte sich schon in den qualitativen Vorstudien, dass die Angst vor einer überfordernden Technik kaum noch eine Rolle spielt. 47 Prozent der Deutschen finden Pins und Passwörter lästig und würden es begrüßen, wenn man sich per Fingerabdruck ausweisen könnte.

Bei der Anlageberatung ziehen die Deutschen weiterhin den persönlichen Kontakt vor: 80 Prozent gehen selbst zu einer Bank, Versicherung oder Bausparkasse. Dennoch zeichnet sich ein Wandel ab: Bereits 17 Prozent der Befragten wünschten sich eine Beratung zu Hause. Vor vier Jahren waren es noch 6 Prozent.

Ein Dauerthema ist die Rentensituation. 69 Prozent der Bevölkerung machen sich Sorgen um ihre Rente, 72 Prozent sehen das Rentensystem vor dem Zusammenbruch. An der Notwendigkeit privater Vorsorge besteht kein Zweifel. So meinen 91 Prozent, man müsse so früh wie möglich vorsorgen, um im Alter abgesichert zu sein; 89 Prozent sind der Ansicht, man müsse zusätzlich weitere Vorsorgen treffen, um im Alter gut abgesichert zu sein. Unsicherheit besteht allerdings hinsichtlich der Wege und Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge: 63 Prozent bezweifeln, ob die privaten Vorsorgemöglichkeiten krisensicher sind. 54 Prozent können nicht abschätzen, in welchem Umfang man selbst für das Alter vorsorgen muss; und bei den 30- bis 49-Jährigen sind es sogar 68 Prozent.

„Soll und Haben“ erschien erstmals 1980, seitdem in Folge 1985, 1989, 1996 und 2000. Dr. Sven Dierks, Leiter Marktforschung des SPIEGEL-Verlags: „Damit liegt eine einzigartige Zeitreihe vor, die den Einstellungswandel der Deutschen zum Thema Geldanlage umfassend dokumentiert.“

Für die Studie wurden über 10 000 Personen in Deutschland über ihr Anlageverhalten und ihre Einstellung zu Geldanlagen und Finanzen befragt. Die ersten konzeptionellen Überlegungen für „Soll und Haben 6“ fanden im September 2003 statt. Es folgte eine Reihe von Gesprächen mit Finanzdienstleistern und anderen Experten, um neue Entwicklungen zu berücksichtigen. Die qualitativen Vorstudien von Sinus Sociovision fanden ebenfalls im Herbst 2003 statt. Die eigentliche Feldarbeit wurde von TNS Infratest und MMA durchgeführt. Die Erhebung der Kundenbeziehungen zu Kreditinstituten geschah analog zum FMDS (Finanzmarkt-Datenservice von TNS Infratest).

Die Studie liefert Informationen über Märkte wie Banken und Sparkassen, Direktbanken, Kreditkarten, verschiedene Formen der Geldanlage, Lebensversicherungen, Bausparen und Immobilien, Altersvorsorge, Erbschaften und Krankenversicherungen. Ferner bringt die Studie grundlegende Informationen über Alter, Familienstand, Berufstätigkeit, Einkommen und Lebensphasen sowie persönliche Einstellungen. Wie bei den Vorgängerstudien wurden auch die sozialen Milieus des Sinus-Institutes, Heidelberg, integriert. Der Medienteil der Studie liefert differenzierte Informationen über die Nutzung von Zeitschriften, Zeitungen und Fernsehprogrammen. Neu ist die Einbeziehung der Intermedia-Datei des VdZ: In der Mediaplanung können nun auch TV-Nutzungsdaten auf Werbemittelkontaktebene berücksichtigt werden.

„Soll und Haben“ ist ein wichtiges Instrument in der Mediaplanung, aus diesem Grund wurde ein umfangreicher Katalog an Printtiteln (MA-angepasst) erhoben, der mit den üblichen Programmen oder ab 29. September über www.media.spiegel.de gezählt werden kann.

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