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„Spätideologisch verirrte Web-Kommunisten“

Springer-Chef Mathias Döpfner kritisiert Verlagsbranche: „Spätideologisch verirrte Web-Kommunisten“

Springer-Chef Mathias Döpfner kritisiert Verlagsbranche

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat sich Mathias Döpfner, der
Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, in einem Interview mit dem manager
magazin in die Diskussion um journalistische Bezahlinhalte im Internet
eingemischt (Erscheinungstermin: 18. Dezember).

In der Verlagsbranche, die aufgrund der konjunkturellen Lage und struktureller
Veränderungen unter starkem wirtschaftlichen Druck steht, werde„vielerorts an
der falschen Stelle gespart: am Inhalt“.Wer der Krise „mit ein bisschen weniger
oder schlechterem Journalismus“ zu begegnen versuche, sei aber „auf dem
Holzweg“, erklärt der 46-jährige Verlagschef. Döpfner warnt vor den „fatalen
Folgen“ einer solchen Strategie: „Wer an Eigenrecherche und Autorenintelligenz
spart“, säge an dem Ast, auf dem er sitze. Es sei keine Antwort auf die
Herausforderungen, „wenn man Selbstmord begeht aus Angst vor dem Tod“.Seinen
Verlegerkollegen stellt Döpfner ein bescheidenes Zeugnis aus: „Manche haben zu
wenig Sinn für Journalisten und für die Skurrilitäten dieses Metiers, das sie
nicht lieben, sondern das ihnen insgeheim fremd bleibt.“

Mit seiner Analyse verbindet der Springer-Chef auch eine grundsätzliche Kritik
am Journalismus und Journalisten selbst, dem es nicht selten an Leidenschaft
und Berufsstolz mangele: „Ich glaube, dass der Journalismus nicht mehr so
gründlich, so gut und so selbstbewusst ist, wie er sein müsste, um die Menschen
zu begeistern.“ Im Gegenteil, gerade Zeitungsjournalisten tendierten bei der
Berichterstattung über die eigene Branche „zu einer masochistischen Lust am
Untergang“.

In scharfer Form wendet sich Döpfner gegen die Forderungen, nur Gratisinhalte
im Internet anzubieten: Dies seien „abstruse Fantasien von spätideologisch
verirrten Web-Kommunisten“. Dass journalistische Angebote online fast
ausschließlich kostenlos verbreitet werden, hält Döpfner für verfehlt: „Diesen
Unsinn haben leider mehr als ein Jahrzehnt alle Verlage der Welt betrieben. Wir
waren nicht groß genug, um diesen Wahnsinn allein zu stoppen.“

Wie viele seiner Branchenkollegen verlangt auch Döpfner, an den Einnahmen
beteiligt zu werden, die die Suchmaschine Google mit der Vermarktung
journalistischer Leistungen erzielt. Google habe eine Marktmacht erreicht,
„gegen die sich Rockefeller wie ein harmloser Kioskbesitzer“ ausnehmen würde,
so Döpfner: Aber „es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel
Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie
einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten.“

Autor: Klaus Boldt
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