DER SPIEGEL

Speer - Niklas Frank attackiert Historiker Fest und Verleger Siedler

Sohn des Schlächters von Polen unterstellt Publizisten Geschichtsklitterung aus wirtschaftlichen Interessen / Kritik an Aussagen der Speer-Kinder im Breloer-Film

– Niklas Frank, Sohn des Nazi-Reichsministers und Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank, hat dem Historiker Joachim Fest und dem Speer-Verleger Wolf Jobst Siedler vorgeworfen, wegen geschäftlicher Interessen nicht die volle Wahrheit über Hitlers Rüstungsminister Albert Speer veröffentlicht zu haben.

Im SPIEGEL-ONLINE-Interview sagte Frank: „Vermutlich ging es Fest darum, mit seinen Veröffentlichungen Erfolge zu landen. Da konnte er es sich mit dem einzigen originalen Wissensträger von Rang nicht verderben. Wenn Fest dem Speer gesagt hätte: ‚Sie waren doch bei der Posener Rede von Himmler dabei, lügen Sie hier nicht so rum’, dann hätte dieser ihm wohl geantwortet: ‚Meine Herren, ich mag nicht mehr mit Ihnen arbeiten.'“ Frank bescheinigte Fest und Siedler in dem Zusammenhang „partielle Blindheit“.

Auf den in der ARD gesendeten TV-Film „Speer und Er“ von Heinrich Breloer Bezug nehmend, kritisierte Frank das Verhalten der Kinder Albert Speers: „Wenn sie die Verbrechen des Vaters nicht anerkennen, verkleinern und relativieren sie insgesamt die Verbrechen der Deutschen während des Dritten Reichs. Vater Speer war ein Verbrecher. Das ewige Herumgeschmuse der Kinder finde ich lächerlich.“

Frank, der vor kurzem das Buch „Meine deutsche Mutter“ veröffentlicht hat, ging auch mit den Nachkommen Martin Bormanns, des Leiters der Parteikanzlei der Nationalsozialisten, ins Gericht. Bormanns Sohn sei von vielen Schulen eingeladen worden, weil er überall erzählt habe, sein Vater sei nicht nur ein Verbrecher gewesen, sondern auch ein liebender Vater. Dadurch habe er die Schuld des Vaters verkleinern wollen. Er habe 80 Millionen Deutschen die Möglichkeit eröffnet, sich „heuchlerisch“ hinter seine These zu stellen, kritisierte Frank.

Frank selbst geht mit seinen Eltern hart ins Gericht: „Über ihre Verbrechen komme ich nicht hinweg.“ Eine Aussöhnung sei für ihn unmöglich. „Für mich bestimmen die Leichenhaufen das Bild meiner Eltern.“

Hans Frank, der „Schlächter von Polen“, war für Massenerschießungen und Deportationen verantwortlich und gilt als Mitorganisator des Holocaust. Er wurde nach seiner Verurteilung bei den Nürnberger Prozessen hingerichtet. Seine Frau Brigitte bereicherte sich an den beschlagnahmten Vermögen.

Das vollständige Interview ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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