SPIEGEL GESCHICHTE

SPIEGEL Geschichte: „Die 20er Jahre. Zwischen Exzess und Krise – wie ähnlich sich damals und heute sind“

Die Ausgabe 1/2020 erscheint morgen – optisch und inhaltlich überarbeitet

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Michael Grabowski

Das Jahrzehnt ist noch frisch, und es ist gut möglich, dass die neuen Zwanzigerjahre wild werden: Die Gesellschaft wirkt gespalten zwischen urbaner Elite und den scheinbar Abgehängten in der Provinz. Das Vertrauen in die Demokratie lässt nach – und was passiert, wenn auch noch die Wirtschaft einbricht? Gab es eine ähnliche Situation nicht schon mal, vor genau 100 Jahren? Damals endete es katastrophal. Wie ähnlich sind sich damals und heute?

Mit diesen Themen beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL Geschichte. Sie widmet sich den Zwanzigerjahren, einem Schlüsseljahrzehnt der deutschen Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Land nach dem Ersten Weltkrieg in die Moderne katapultierten, doch die Menschen zugleich auch tief verunsicherten.

Die Aufbruchstimmung der „Goldenen Zwanziger“ setzte enorme Energie frei. Die Hauptstadt Berlin wurde zu einer der schillerndsten Metropolen weltweit, sie war berühmt für ihr Nachtleben voller sexueller Libertinage und Exzess. Erstmals durften nun auch Frauen wählen, immer mehr von ihnen waren auch berufstätig.

Elektrizität ließ nicht nur die Leuchtreklame in den Städten funkeln, sie sorgte auch für eine Revolution im Alltag: War die Hausarbeit bis dahin eine kräftezehrende und zeitraubende Angelegenheit, versprachen strombetriebene Waschmaschinen und Kühlschränke Bequemlichkeit – und mehr Freizeit. Und auch das Bild der Städte änderte sich. Anders als im Bauboom der Gründerzeit mit ihren reich verzierten Häusern setzten Architekten ganz im Sinne der „Bauhaus“-Gründer nun auf strenge Sachlichkeit, klare Linien und praktische Details.

Neu war auch die Unterhaltungsindustrie: Der Film wurde zum Massenmedium, Werke wie Fritz Langs „Metropolis“ loteten die Grenzen des technisch Machbaren aus. Zeitgeistige Romane wie die der Berlinerin Vicky Baum („Menschen im Hotel“) brachten es zu Millionensellern.

Doch Beharrungskräfte und Widerstand gegen all die Neuerungen führten zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft. Auf dem Land und in der Provinz, wo das Leben wenig glamourös und von althergebrachten Traditionen bestimmt war, herrschte Misstrauen gegenüber den städtischen Eliten, viele Bauern wurden anfällig für die Versprechen extremer Parteien. Und auch zahlreiche Männer, die als Soldaten im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten und nun oft mit Kriegsverletzungen oder psychischen Schäden kämpften, fühlten sich nicht mitgenommen angesichts der revolutionären Veränderungen. Vor allem die Weltwirtschaftskrise ab 1929 trieb viele Menschen in Armut und Arbeitslosigkeit, weckte bei vielen Ängste vor sozialem Abstieg und beförderte den Aufstieg von Hitlers Nationalsozialisten.

Es sind nicht zuletzt Widersprüchlichkeit und Extreme, die die Zwanzigerjahre für uns Heutige so faszinierend machen. Die Zeit ist vergangen – und wirkt doch immer wieder verblüffend nah. Welche Parallelen es zwischen damals und heute tatsächlich gibt, erläutert der Historiker Daniel Schönpflug im Gespräch: „Erfahrungen machen vielleicht den kleinen Vorsprung aus, den wir gegenüber damals haben“.

Mit der ersten Ausgabe im neuen Jahr erscheint SPIEGEL Geschichte in einer optisch und inhaltlich überarbeiteten Version. Das Cover hat jetzt wie alle SPIEGEL-Derivate einen weißen Rahmen und ein prominent platziertes SPIEGEL-Logo. Auch im Heftinneren wird der SPIEGEL als Absender durch eine vergleichbare Logik für die Überschriften, Vorspänne und Bildunterschriften deutlicher. Eine neue, vierseitige Chronik gibt einen schnellen Überblick über die zentralen Entwicklungen und Ereignisse einer Epoche. Neu ist auch ein magaziniger Teil zum Ende des Heftes. Rubriken wie „Schnelles Wissen“, „Mehr zum Thema“ oder „Die Besten zum Schluss“ erweitern das inhaltliche Angebot des Titels.

SPIEGEL Geschichte „Die 20er Jahre. Zwischen Exzess und Krise – wie ähnlich sich damals und heute sind“ erscheint am 21. Januar 2020 zum Copypreis von 8,50 Euro. Die digitale Ausgabe ist bereits heute ab 18 Uhr verfügbar.

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