SPIEGEL GESCHICHTE

SPIEGEL GESCHICHTE: „Dynastien der deutschen Wirtschaft“

Morgen erscheint die Ausgabe 4/2020

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Maria Wetzel
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Henkel, Porsche, Miele, Krupp oder Faber-Castell. Die Namen sind allseits bekannt, doch wer waren die Menschen und Familien, die diesen Firmen ihren Namen gaben? Wer sind die Familien, deren Erzeugnisse seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten – nicht immer zu Recht – für deutsche Qualität und Wertarbeit stehen? 

Über Generationen hinweg schafften sie es, ihre Unternehmen erfolgreich zu führen und in der Familie zu halten. So prägten Unternehmensdynastien nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern das ganze Land. Sie beeinflussten die Politik, trieben technische und soziale Entwicklungen voran und gründeten sogar ganze Städte. Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE erzählt von den wichtigen Familien der deutschen Wirtschaft: wie sie reich und mächtig wurden, welche Streitigkeiten sie auszustehen hatten – und wo sie scheiterten. 

Familiengeführte Firmen seien so etwas wie die Urform des Unternehmens überhaupt, erläutert der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe im Gespräch. In Deutschland machen familiengeführte Unternehmen noch heute einen großen Teil aller Firmen aus. Eine der ältesten noch heute bekannten unternehmerisch tätigen Familien ist die aus der Lombardei stammende Familie Tassis: Ihr gelang der Aufstieg am Ende des Mittelalters dank einer innovativen Idee – und vor allem dank enger Kontakte zum Kaiser. Als kaiserliche Postmeister und bald unter dem adeligen Namen von Thurn und Taxis erarbeitete sich die Familie den heute größten privaten Wald- und Grundbesitz Deutschlands. Enge Kontakte zur Politik halfen auch in den Jahrhunderten danach, Familiendynastien zu etablieren – und zu erhalten. Der Stahlbaron Alfred Krupp (1812-1887) ließ sich in Essen 1870 die riesige Villa Hügel bauen, um dort Staatsmänner aus aller Welt als Kunden für seine Waffenproduktion zu gewinnen. Das zahlte sich nicht nur in Geld aus: Als seine Enkelin Bertha Krupp (1886-1957) mit nur 16 Jahren den Weltkonzern erbte, schickte der Kaiser einen handgeschriebenen Brief und bot ihr „vollste Freundschaft und Mitwirkung an“. 

Weniger erfolgreich war hingegen der Duisburger Stahlunternehmer August Thyssen (1842-1926): Während er beruflich als „Stahlbaron“ fast alles erreichte, hinterließ er in seiner Familie einen Scherbenhaufen. Wie sein Fall offenbaren etliche Unternehmensgeschichten bei näherem Hinsehen, dass längst nicht alles so glatt ablief, wie es in Firmenchroniken oft scheint. Beim Darmstädter Pharmaunternehmen Merck etwa gelang der Durchbruch erst, als der Firmenerbe Emanuel Merck (1794-1855) mit innovativen Ideen wagte, über das eher konventionelle Apothekengeschäft seiner Vorfahren hinauszudenken. Die jüdische Bankerfamilie Warburg musste sich in Hamburg gegen die Widerstände der etablierten Kaufleute durchsetzen, die entschlossene Erbin Sara Warburg (1805-1884) gab dem Unternehmen die entscheidenden Impulse. Und der Konzerngründer Robert Bosch (1861-1942) erwarb sich zwar einen Ruf als wohl sozialster Gründer seiner Zeit – doch während des Nationalsozialismus beschäftigte seine Firma Zwangsarbeiter. 

Damit stand Bosch nicht allein: Zwangsweise verpflichtete Arbeitskräfte kamen während der NS-Zeit in so gut wie allen Unternehmen zum Einsatz. Einige Unternehmer jedoch suchten skrupellos die Nähe zu Hitlers Regime, um Vorteile für ihre Firmen zu erlangen, etwa Günther Quandt (1881-1954), dessen Erben heute ein großer Teil der BMW-Anteile gehört, oder Ferdinand Porsche (1875-1951), Erfinder des „Volkswagens“ und Vorfahre der Familien Porsche und Piech. 

Hätten sich die Unternehmer anders verhalten müssen? Der Bochumer Historiker Constantin Goschler erläutert im Interview, unter welchen Bedingungen die Unternehmen während der NS-Zeit tätig waren und wie sie inzwischen mit ihrer Vergangenheit umgehen. 

Eine Firmentradition über Generationen hinweg, dies wird an vielen geschilderten Beispielen deutlich, ist für diejenigen, die in eine solche Dynastie hineingeboren werden, Bürde und Chance zugleich. Für alle anderen sind die Erfolge, Skandale und Schicksale der großen Wirtschaftsdynastien ein Stück personifizierte Geschichte: es sind eben Namen, die jeder kennt. 

Die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE „Dynastien der deutschen Wirtschaft. Ihr Aufstieg, ihr Reichtum, ihre Skandale“ erscheint am 28. Juli zum Copypreis von 9,90 Euro.
 

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