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Trumpf-Chefin fordert Abbau der kalten Progression

Angesichts der jüngsten Erfolge der AfD müsse die CDU ihr Profil schärfen, warnt die Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller

Nicola Leibinger-Kammüller, Miteigentümerin und Geschäftsführerin des Maschinenbauers Trumpf, drängt die Bundesregierung zu einem Abbau der kalten Progression. Dass die Große Koalition hier bisher nicht gehandelt habe, könne sie "nicht verstehen", sagte Leibinger-Kammüller im Interview mit manager magazin (Erscheinungstermin: 7. Oktober): "Diejenigen, die dafür sorgen, dass das Land funktioniert, die auch bei Trumpf die Leistungsträger sind – also die Facharbeiter, die Ingenieure mit ein, zwei Kindern –, die werden viel zu hoch besteuert. Das ist nicht gut."
Kalte Progression beschreibt den Effekt, dass Arbeitnehmer durch eine Gehaltserhöhung in einen höheren Steuertarif rutschen können und so am Ende netto weniger verdienen als zuvor.

Besonders über die Bilanz der CDU nach fast einem Jahr Großer Koalition zeigte sich Leibinger-Kammüller enttäuscht. Wenn sich die CDU damit zufriedengebe, in der Wirtschaftspolitik lediglich "fragwürdige SPD-Ideen" wie die Vermögenssteuer zu verhindern, wäre das "auf Dauer sicher zu wenig". In den jüngsten Wahlerfolgen der Alternative für Deutschland (AfD) sieht Leibinger-Kammüller "eine ungute Entwicklung" und ein Warnsignal für ihre Partei: "Gerade vor diesem Hintergrund ist es sicher angebracht, dass die CDU ihr Profil schärft."

Im Mittelstand wächst seit Längerem die Kritik am wirtschaftspolitischen Kurs der Großen Koalition. Mit Leibinger-Kammüller fordert nun eine der namhaftesten Unternehmerinen die CDU zu einer Kurskorrektur auf, die als Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt.

Leibinger-Kammüller ist seit vielen Jahren CDU-Mitglied. Seit 2005 leitet sie den Maschinenbaukonzern Trumpf mit 11 000 Mitarbeitern und zuletzt 2,6 Milliarden Euro Umsatz. Sie ist Mitglied in den Aufsichtsräten von Siemens, Lufthansa, Voith und Axel Springer.

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