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Ungewöhnliche Call-Option belastet WCM: Kontrolle über IVG-Paket gefährdet

Die mit 2,4 Milliarden Euro verschuldete WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG, Frankfurt/Main, wird nicht nur von ihren Gläubigerbanken bedrängt, sondern auch von zwei privaten Investoren. Mit ihnen hat WCM einen ungewöhnlichen Vertrag geschlossen, der zur Folge haben könnte, dass die Gesellschaft die Kontrolle über einen wichtigen Vermögenswert, eine knapp 50-prozentige Beteiligung an der Bonner IVG Immobilien AG, verliert.

Wie manager magazin in seiner September-Ausgabe (Erscheinungstermin: 22. August 2003) berichtet, hat sich WCM im November 2001 gegenüber der in Amsterdam gemeldeten Rebon BV verpflichtet, ihr unter bestimmten Bedingungen 42 Prozent der Zwischenholding Sirius zum Nulltarif zu übereignen. Insgesamt hält WCM derzeit 87 Prozent an Sirius; Sirius wiederum besitzt 50 Prozent minus eine Aktie an IVG.

Rebon gehört den Geschäftsleuten Klaus-Peter Schneidewind und Clemens Vedder, die im Jahr 2000 mit ihrer Aktionärsgruppe Cobra zeitweise bis zu 20 Prozent des Commerzbank-Kapitals kontrollierten. Sirius hatte sich 1999 mit insgesamt 675 Millionen Euro bei einer Bankengruppe unter Führung der DG Bank verschuldet, um das IVG-Paket zu erwerben. Damals gehörte Sirius zu 45 Prozent der WCM, zu 42 Prozent der Rebon. Im Jahr 2001 verlangte die DZ Bank, das Nachfolgeinstitut der DG Bank, dass Vedder und Schneidewind den Gesellschafterkreis von Sirius verlassen. WCM übernahm von Rebon die 42 Prozent an Sirius zum symbolischen Preis von einer Mark. Nach Informationen von manager magazin musste sich WCM verpflichten, gegenüber den Banken allein für den Sirius-Kredit zu bürgen und sich um einen Gewinn bringenden Verkauf der Sirius, mithin des IVG-Pakets, zu bemühen. Ein lukrativer Verkauf des Pakets scheiterte bislang daran, dass der Wert der IVG-Aktien seit dem Erwerb stark gesunken ist. Die Zeit drängt, da die Banken den Sirius-Kredit, der mittlerweile noch gut 600 Millionen Euro beträgt, nicht über Ende September hinaus verlängern wollen.

Der WCM drohen schwer wiegende Folgen. Falls die Finanzierung der Sirius nicht mehr sichergestellt ist, kann Rebon gegenüber WCM die 42 Prozent an Sirius zurückverlangen. Diese Call-Option kann Rebon laut manager magazin auch für den Fall ausüben, dass es WCM bis zum Jahresende nicht gelingt, die gesamte Sirius einschließlich des IVG-Pakets Gewinn bringend weiterzuverkaufen.

WCM-Vorstandschef Roland Flach bestritt gegenüber manager magazin, dass eine Ausübung der Option irgendwelche „bilanziellen oder insolvenzrechtlichen Folgen“ für WCM hätte.

Autor: Sören Jensen, Telefon: 040/308005-39

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