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„Wir werden wohl nicht so viel Gas liefern können“

Gasprom-Vize Medwedew sieht die Gefahr einer neuen Versorgungskrise in Europa

Gasprom-Vorstand Alexander Medwedew warnt vor einer neuen Versorgungskrise in
Europa. Im Interview mit manager magazin (Erscheinungstermin: 23. Juni 2006)
spricht der Chef der Exporttochter Gasexport von einer „Besorgnis erregenden
Situation“, für die er in erster Linie die Ukraine verantwortlich macht.
Medwedew sieht die Gefahr, dass der russische Nachbarstaat „nicht in der Lage
sein wird, Verträge zu erfüllen“.

Der Gasprom-Vize verdächtigt die Ukraine, immer noch „zu viel Gas aus dem
Leitungssystem zu entnehmen oder es in hohem Maße in Reservespeicher zu pumpen,
ohne vertragliche Grundlage.“ Als Folge sieht Medwedew: „Wir werden wohl nicht
so viel Gas liefern können, wie notwendig wäre.“

Besorgt zeigte sich der Manager über Stimmen aus dem Westen, man wolle von
russischem Gas unabhängiger werden. Falls diese Wünsche ernst gemeint seien, so
der Russe, „müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, wo wir zukünftig unser Gas
verkaufen werden“.

Die Verhandlungen mit der Düsseldorfer Eon AG über eine Beteiligung am
sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje sind laut Medwedew auf einem guten Weg.
„Ich bin sehr optimistisch, dass wir uns einigen, falls sich die
EU-Wettbewerbsbehörde nicht quer legt.“ Gasprom verlangt im Tausch gegen die
Förderbeteiligung den Zugang zu Eon-Vertriebsmärkten. „Wir haben bereits
definiert, welche Assets in Europa Teil des Deals mit Eon sein könnten“, so
Medwedew, „derzeit befinden wir uns in der Phase der Bewertung.“ Generell wolle
Gasprom in jedem wichtigen europäischen Markt mittelfristig einen Anteil von 20
Prozent am Endkundenmarkt erreichen: „Das ist unser Ziel.“

Schon jetzt gehört Gasprom zu den Unternehmen mit der weltweit höchsten
Marktkapitalisierung; Anfang Juni bewertete die Börse den russischen
Rohstoffriesen mit rund 220 Milliarden Dollar. Medwedew will das derzeit
wertvollste Unternehmen der Welt, den US-Ölgiganten ExxonMobil, irgendwann als
Nummer eins ablösen. Auf Grund der hohen Gasreserven von Gasprom hält er eine
Marktkapitalisierung von 1000 Milliarden Dollar „durchaus für realistisch“:
„Falls Exxon nicht noch etwas Außergewöhnliches einfällt, werden wir mit
Sicherheit irgendwann an denen vorbeiziehen.“

Autor: Dietmar Student
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