DER SPIEGEL

ZDF-Chef schlägt Verhaltenskodex nach BBC-Vorbild vor

Markus Schächter: „Wir sind bereit, der EU entgegenzukommen“ / Verhaltenskodex wie bei BBC soll mehr Transparenz gewährleisten / Einschränkungen bei Online-Aktivitäten und beim Handel mit Sportrechten scharf zurückgewiesen

Hamburg, 9. März 2005 – Markus Schächter, Intendant des ZDF, deutet im Streit mit der EU Kompromissbereitschaft an. „Wir sind bereit, Brüssel entgegenzukommen, indem wir unsere einzelnen kommerziellen Aktivitäten, beispielsweise Filmhandel, detailliert ausweisen“, sagte der Senderchef im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

„Gleichzeitig könnten wir nach Vorbild der britischen BBC in einem Verhaltenskodex, einem so genannten Code of Conduct, alle Wechselbeziehungen zwischen öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Aktivitäten offen legen“, sagte Schächter weiter. Das ZDF könne Teile des BBC-Prinzips entsprechend angepasst umsetzen, um der Forderung nach mehr Transparenz durch die EU nachzukommen.

Der ZDF-Intendant reagiert damit auf einen Forderungskatalog der EU-Wettbewerbs-kommissarin Neelie Kroes. Die Niederländerin hatte vergangene Woche in einem Schreiben an das Bundesfinanzministerium Teile der öffentlich-rechtlichen Rundfunkfinanzierung in Deutschland als „nicht mit dem Gemeinsamen Markt“ vereinbar bezeichnet. Unter anderem kritisierte Kroes die Beteiligungsverhältnisse von ARD und ZDF mit ihren kommerziellen Tochtergesellschaften.

Zudem hatte die Kommissarin von der Bundesregierung Grundsätze und Vorgaben beim Handel von ARD und ZDF mit Sportrechten gefordert. Schächter wies Einschränkungen in diesem Bereich scharf zurück: „Das, was in Hinblick auf Sport von den EU-Beamten an Restriktionen erwogen wird, ist für uns nicht akzeptabel. (…) Solche Regelungen wären ein Eingriff in die Programmautonomie. Da werden wir den Anfängen wehren.“

Auch Einschränkungen bei den Internetaktivitäten erteilte Schächter eine Absage: „Wir haben bereits … auf Werbeaktivitäten und Kooperationen – etwa mit T-Online – im Internet verzichtet. Unsere Aktivitäten sind rein programmbegleitend und damit unkritisch.“

Das vollständige Interview ist unter www.spiegel.de abrufbar.

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